Politik | Ausland 19.03.2016

Zwei US-Bürger unter Opfern des Istanbul-Anschlags

Die Polizei riegelte den Tatort ab. © Bild: EPA/DENIZ TOPRAK

IS-Attentäter sprengte sich in Einkaufsstraße in die Luft und tötete

Update 22:00 Uhr ( Nationalität der Opfer wurde korrigiert)

Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum der türkischen Metropole Istanbul sind nach Behördenangaben mindestens vier Passanten, sowie der Attentäter selbst getötet worden. Weitere 36 Menschen wurden verletzt, sieben davon schwer. Unter den Todesopfern sind offenbar zwei Israelis, sowie zwei US-Bürger, wie das Weiße Haus Samstagabend berichtete.

Die Behörden der Metropole sprachen von einem "Terroranschlag". Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Regierungsfreundliche Medien machten allerdings die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

"Feiger Terroranschlag"

Washington verurteilte den "feigen Terroranschlag". Die USA stünden im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite ihres Nato-Partners Türkei, erklärte Außenamtssprecher John Kirby. Die Gewalt gegen "unschuldige Menschen in der gesamten Türkei - türkische Bürger und internationale Besucher" sei nicht hinnehmbar.

AKP-Abgeordnete sorgt für Empörung

Für Empörung sorgte Irem Aktas von der türkischen Regierungspartei AKP. Die Abgeordnete schrieb in einer Twitter-Botschaft: "Ich hoffe, dass alle bei dem Anschlag verletzten Israelis sterben werden". Der Tweet wurde kurze Zeit später gelöscht. Die Frauen-Sprecherin der AKP erklärte in einer Twitter-Botschaft, die Partei habe bereits Schritte gegen die Abgeordnete eingeleitet. Deren Ansichten würden nicht den Positionen der AKP entsprechen.

Keine Österreicher unter den Todesopfern

Unter den Todesopfern des Selbstmordanschlags sind keine Österreicher. Nach derzeitigem Wissenstand dürften auch keine Österreicher verletzt worden sein, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, am Samstag der APA auf Anfrage. Für Reisen in die Türkei würden weiterhin die Sicherheitsstufen 2 und 3 gelten.

Stufe 2 bedeutet, dass bei Reisen in das betreffende Gebiet "auf das erhöhte Sicherheitsrisiko hingewiesen" wird. Bei Stufe 3 wird von nicht unbedingt notwendigen Reisen in das Gebiet abgeraten, wegen gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Todesopfern und einem hohen Risiko von Terroranschlägen. Generell gilt für die gesamte Türkei ein "erhöhtes Sicherheitsrisiko", ein "hohes Sicherheitsrisiko" besteht im Osten und Südosten des Landes.

Das Außenministerium beobachtet die Situation

Schnöll betonte, dass das Außenministerium die Situation in der Türkei genau beobachte und entsprechend des Entwicklungen evaluiere. Gegebenenfalls würden die Sicherheitshinweise angepasst.

Entgegen früheren Berichten wurde kein Deutscher bei dem Anschlag verletzt, sagte laut dpa eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Am Donnerstag und Freitag waren das deutsche Generalkonsulat in Istanbul, die Botschaft in Ankara und weitere deutsche Einrichtungen wegen einer Terrorwarnung geschlossen worden. Das deutsche Auswärtige Amt hatte die Deutschen am Wochenende zu Achtsamkeit in Istanbul aufgerufen.

Passanten suchten Schutz in Läden
People take shelter inside a shop after an explosion on the pedestrian Istiklal avenue in Istanbul on March 19, 2016. Two peopl… © Bild: APA/AFP/BULENT KILIC

37 Tote am vergangenen Sonntag

Erst vergangenen Sonntag gab es einen Anschlag in der Hauptstadt Ankara mit 37 Toten, zu dem sich eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bekannte. Die TAK ging 2004 aus der PKK hervor und verübte Anschläge in Städten. Die Gruppe hatte sich schon im Februar zu einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara bekannt.

In der Türkei kommt es immer wieder zu Anschlägen. In Istanbul hatte im Jänner ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet.

( Agenturen , sho , cp , ps ) Erstellt am 19.03.2016