Erster israelischer Zivilist von Rakete getötet

Ein israelischer Militärhubschrauber vom Typ Sikorsky UH-60 Black Hawk startet in einer staubigen Umgebung.
Sechsstündige Feuerpause vorbei. Netanyahu kündigt Ausweitung der Offensive gegen Gaza an.

Die ägyptische Friedensinitiative, um die Gefechte im Gazastreifen zu stoppen, ist gescheitert: Die israelische Regierung hatte die Waffenruhe zwar akzeptiert, die radikal-islamische Hamas diese jedoch abgelehnt. Nach nur sechs Stunden erwiderte Israel daraufhin den Beschuss der Hamas mit Luftschlägen auf den Gazastreifen.

Die Armee habe als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss Israels aus dem Gazastreifen ihre Angriffe auf das palästinensische Gebiet wieder aufgenommen, bestätigte eine Armeesprecherin in Tel Aviv am Dienstag.

Zivilist

Erstmals seit dem Beginn der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Hamas und Israel ist ein israelischer Zivilist getötet worden. Es handelt sich um einen 38-Jährigen, der in der Nähe des Grenzübergangs Erez zum Gazastreifen Soldaten mit Nahrung versorgte.

Die tödliche Rakete wurde demnach aus dem Gazastreifen abgefeuert. Bisher konnte Israel eigene Todesopfer vermeiden, weil Abwehrsysteme viele Geschosse abfangen konnten und etliche Raketen auf freiem Feld niedergingen. Den israelischen Luftangriffen fielen in Gaza nach palästinensischen Angaben hingegen bisher fast 200 Menschen zum Opfer, 1400 weitere wurden demnach verletzt.

Nächtlicher Angriff auf Golanhöhen

Schon in der Nacht flog israel Angriffe auf die syrischen Golanhöhen. Dabei sind laut Aktivisten vier Menschen getötet worden. Kampfflugzeuge hätten um 01.15 Uhr Ortszeit Raketen auf einen syrischen Militärstützpunkt und den Verwaltungssitz der Provinz Kuneitra abgefeuert, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dabei seien zwei Wachleute sowie zwei Frauen getötet worden. Die in Großbritannien ansässige oppositionsnahe Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netzwerk an Ärzten und Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die israelischen Angriffe erfolgten, nachdem nach israelischer Darstellung eine Rakete aus Syrien in einem von Israel besetzten Gebiet der Golanhöhen eingeschlagen war, ohne Schäden anzurichten.

Auf den Golanhöhen, die Israel seit dem Sechstagekrieg des Jahres 1967 teilweise besetzt hält, ist die Lage seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als drei Jahren angespannt. Bereits im März hatte die israelische Luftwaffe Armeestellungen in Syrien beschossen. Das österreichische Bundesheer, das fast 40 Jahre an der UNDOF-Mission auf den Golanhöhen beteiligt war, zog sich vor rund einem Jahr angesichts der verschärften Sicherheitslage aus dem Gebiet zurück.

Ägypten legte Fahrplan für Waffenruhe vor

Zuvor lag der Vorschlag einer Waffenruhe auf dem Tisch: Ägypten legte als Vermittler einen Fahrplan für eine Waffenruhe ab Dienstagmorgen vor, die von israelischer Seite akzetiert wurde. Die Vereinbarung sah vor, dass die Feuerpause um 8.00 Uhr MESZ (6.00 Uhr GMT) beginne. Innerhalb von 48 Stunden sollten hochrangige Delegationen aus Israel und den Palästinensischen Gebieten nach Kairo reisen, um indirekte Gespräche zu führen.

179 Tote

Doch trotz eindringlicher internationaler Appelle dreht sich die Spirale der Gewalt weiter. Nach Angaben des Leiters der Rettungsdienste in Gaza wurden bisher insgesamt 179 Menschen getötet. Bei einem knappen Drittel der getöteten Palästinenser handelt es sich um Frauen und Kinder.

Die Hamas und mit ihr verbündete Milizen schossen seit Beginn des jüngsten Konflikts 1030 Raketen auf Israel ab. Allein am Montag waren es über 70, wie ein Militärsprecher bestätigte. Am Nachmittag heulten in der Metropole Tel Aviv wieder die Sirenen. Kurz darauf waren dumpfe Detonationen zu hören, die Abschussgeräusche des Abwehrsystems „Eisenkuppel“. Dieses fängt die meisten Raketen über bewohntem Gebiet ab - ihm haben es die Israelis zu verdanken, dass sie bislang keine Todesopfer zu beklagen haben. In Lakia im Süden von Israel wurden zwei Schwestern im Alter von 13 und zehn Jahren durch eine Rakete verletzt.

Drohne abgeschossen

Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben erstmals eine Drohne ab, die von Palästinensern aus dem Gazastreifen nach Israel geschickt wurde. Das unbemannte Fluggerät sei mit dem Abwehrsystem Patriot abgefangen und in der Luft zerstört worden, teilte die israelische Armee mit.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Die israelische Polizei nannte am Montag erstmals Einzelheiten im Zusammenhang mit der Ermordung des jungen Palästinensers. Die mutmaßlichen Täter, ein 29-Jähriger mit angeblich psychischen Problemen und zwei 17-Jährige hätten die Bluttat umfassend gestanden, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Gegen das Trio werde bald Anklage erhoben, teilte eine Justizsprecherin mit.

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