Politik | Ausland
30.11.2018

Komplettausfall im Airbus: Merkel fliegt Linie ohne Ehemann

Das Flugzeug der deutschen Kanzlerin musste umkehren. Die Bundeswehr untersucht den Vorfall.

An Bord des nach Köln umgekehrten Regierungsflugzeugs von Kanzlerin Angela Merkel ist nach Informationen des Spiegels das komplette Kommunikationssystem mit dem Boden ausgefallen. Die Maschine war unterwegs zum G-20-Gipfel, der heute in Buenos Aires startet. Die deutsche Kanzlerin wird den Auftakt nun verpassen, sie wird zum Abendprogramm erwartet. Ein derartiger Komplettausfall der Kommunikationsanlage, die durch mehrere Ersatzsysteme abgesichert sei, gilt dem Nachrichtenmagazin zufolge in der Luftfahrt als gefährlicher Notfall. Deswegen hätten sich die Piloten sofort entschlossen, den Flug zum G-20-Gipfel in Argentinien abzubrechen. Das Flugzeug wurde am Donnerstagabend nach Köln umgeleitet.

Inzwischen ist sie unterwegs nach Buenos Aires, aber mit verkleinerter Entourage. Laut Informationen des „Spiegels“ brachte sie eine  Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe zunächst nach Madrid. Gegen 9 Uhr hob sie dann mit einem Linienflugzeug der Fluggesellschaft Iberia nach Buenos Aires ab. Aus Platzgründen blieb allerdings unter anderem ihr Ehemann, Joachim Sauer, zurück. Mit an Bord seien demnach Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), Regierungssprecher Steffen Seibert und der außenpolitische Berater Jan Hecker.

 

Merkel spricht von "ernsthafter Störung"

"Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel in der Nacht zum Freitag in Bonn über den Zwischenfall, der einen Abbruch ihrer Reise nach Argentinien zur Folge hatte. Der Schaden an dem A340 war schwerwiegender als zunächst gedacht. Ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte, dass es einen Komplettausfall des Funksystems an Bord gab.

Die Bundeswehr untersucht den Vorfall

Der Luftwaffensprecher sagte außerdem, er könne einen Bericht der "Rheinischen Post" nicht bestätigen, nach dem auch der Verdacht eines kriminellen Hintergrunds geprüft werde. Es gebe keine Verdachtsmomente für einen kriminellen Hintergrund. "Es handelt sich um eine standardmäßige Überprüfung der ausgefallenen Funkanlage", sagte er. In Regierungskreisen hieß es, nach einem solchen Vorfall werde in alle Richtungen ermittelt.

Notfall-Code ausgelöst, Kommunikation nur mehr über Satellitentelefon

Rund eine Stunde nach dem Abflug in Berlin war die Kanzlerin mitten im Briefing mit den mitreisenden Journalisten über technische Probleme bei dem Airbus A340 informiert worden. Später wurde bestätigt, dass das Kommunikationssystem komplett ausgefallen war, was den Notfall-Code 7600 auslöste. Eine Kommunikation mit Bodenstationen war dann nur per Satellitentelefon möglich. Der Pilot entschied sich aus Sicherheitsgründen, den Flug abzubrechen und landete die Maschine sicher auf dem Flughafen Köln-Bonn. Glücklicherweise habe man eine sehr exzellente Crew gehabt, sagte Merkel in der Nacht mitreisenden Journalisten. "Da war der erfahrenste Pilot der Flugbereitschaft an Bord."

Feuerwehr an der Landebahn

Das Flugzeug war für den 15-stündigen Flug nach Argentinien vollgetankt. Die Information, dass der Pilot vor der Landung Kerosin abgelassen habe, wurde am Freitagmorgen nicht bestätigt. Wegen der vollen Tanks und des Gewichts des Flugzeuges galt die Landung als schwieriger als üblich. Auf dem Flughafen Köln-Bonn waren deshalb Feuerwehrwagen aufgefahren, die aber nicht eingreifen mussten. Wegen des Vorfalls schaltete sich am Donnerstagabend auch die deutsche Verteidigungsminister Ursula von der Leyen ein, mit der die Kanzlerin Kontakt hatte.

Nicht der erste Zwischenfall

In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Zwischenfälle mit der deutschen Flotte der Regierungsflugzeuge gegeben. Betroffen waren etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Finanzminister Olaf Scholz. Dieser war bei einer IWF-Tagung in Indonesien gestrandet, weil ebenfalls die "Konrad Adenauer" ausfiel. Darauf angesprochen hatte Merkel in der Nacht nur gesagt: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern." Die Flugbereitschaft hat zwei Langstreckenflugzeuge, die von Berlin nach Argentinien ohne Zwischenstopp fliegen können.

Trump traf ein

Während Merkels Terminplan aufgrund der Flugstörung durcheinanderkam, traf US-Präsident Donald Trump zum Gipfeltreffen der G-20-Staaten in Buenos Aires ein. An Bord der Präsidentenmaschine Air Force One kam Trump am Donnerstagabend mit Ehefrau Melania und seiner Regierungsdelegation auf dem internationalen Flughafen der argentinischen Metropole ein.

Trump hatte beim Abflug in Washington bereits im Flugzeug entschieden, das bereits bis ins Detail geplante Treffen mit Putin abzusagen. Als Grund nannte er die Zuspitzung in der Ukraine-Krise. Russland bedauerte die kurzfristige Absage. Die russische Regierung sei dennoch gesprächsbereit, sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur RIA am Donnerstag. "Eine Absage bedeutet, dass Gespräche über wichtige internationale Themen auf unbestimmte Zeit verschoben wurden."

Trump wird sich in Buenos Aires unter anderem mit Chinas Präsident Xi Jinping und Japans Premierminister Shinzo Abe treffen. Ob es wie ursprünglich geplant auch zu einem Gespräch mit Merkel kommen wird, war nach der Panne an deren Flugzeug und der damit einhergehenden Verspätung der Kanzlerin zunächst unklar.

Analyse des G20-Gipfels