INTERVIEW: SCHALLENBERG

© APA/ROLAND SCHLAGER / ROLAND SCHLAGER

Politik Ausland
06/20/2020

Corona: Schallenberg kann sich neue Grenzschließungen vorstellen

Außenministerium warnt vor Reisen nach Ägypten, Bangladesch und Chile neben 21 anderen Staaten.

"Natürlich ist es unser Ziel, dass es nicht wieder dazu kommt", sagte Außenminister Alexander Schallenberg in einem Interview mit der Austria Presse Agentur in Bezug auf neuerliche Grenzschließungen. Dennoch könne man sie nicht ausschließen: "Wenn es notwendig ist, werden wir natürlich auch wieder entsprechende Maßnahmen setzen", sagte Schallenberg im APA-Interview.

"Unser Ziel ist es, möglichst schnell die Reisefreiheit wieder herzustellen. Das ist im 21. Jahrhundert kein Luxus, das ist eine Notwendigkeit." Doch jeder Öffnungsschritt sei "mit einem gewissen Restrisiko verbunden". Man sei bei der Pandemie "noch nicht über den Berg".

Außenministerium rät von Reisen ab

Das ist auch ein Grund, warum das Außenministerium am Samstag neue Reisewarnungen für Ägypten, Bangladesch und Chile verhängt hat. Für alle drei Länder wird der Reisehinweis von der bisherigen Sicherheitsstufe 4 (Hohes Sicherheitsrisiko) auf Stufe 6 (Reisewarnung) erhöht, wie das Außenministerium mitteilte.

In den drei Ländern stiegen zuletzt die Infektionszahlen. Im beliebten Urlaubsland Ägypten wird der Höhepunkt der Infektionswelle derzeit auf Mitte Juli geschätzt, heißt es aus dem Ministerium. Außerdem entspreche das ägyptische Gesundheitssystem nicht dem mitteleuropäischen Standard. Auch in Chile und Bangladesh steigen die Zahlen derzeit schnell. Bangladesh sei neben Indien der zweite Covid-Hotspot Südasiens.

Wo Reisewarnungen gelten

Damit gelten derzeit wegen der Corona-Pandemie Reisewarnungen für insgesamt 24 Länder. Neben den drei neu hinzugekommenen Ländern wird weiterhin von Reisen nach Weißrussland (Belarus), Brasilien, Ecuador, Großbritannien, Indien, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Peru, Philippinen, Portugal, Russland, Schweden, Senegal, Spanien, Südafrika, Türkei, Ukraine und USA gewarnt. Zu dem gilt weiterhin eine partielle Reisewarnung für die norditalienische Region Lombardei sowie die chinesische Provinz Hubei.

Die Reisewarnung für Spanien soll am Sonntag aufgehoben werden. Künftig gilt in dem Urlaubsland am Mittelmeer wie für fast alle anderen europäischen Ländern nur mehr die Sicherheitsstufe 4. Gleichzeitig werden das Landeverbot für ankommende Flugzeuge aus Spanien und die Auflagen bei der Rückkehr aus Spanien nach Österreich aufgehoben.

Sorge vor der zweiten Welle

Trotzdem betonte das Außenministerium, dass es weiterhin "dringend von allen nicht notwendigen Reisen, insbesondere von allen Urlaubsreisen" abrate. Rechtlich hat der Hinweis aber aus Sicht des Außenamtes aber "überhaupt keine Konsequenzen". Der Reisehinweis sei ein "Appell an die Eigenverantwortung, mehr nicht", wie Schallenberg diese Woche betonte.

Doch der Außenminister zeigte sich zuversichtlich, dass im Falle einer zweiten Welle Ausbrüche "lokal oder zumindest regional" unter Kontrolle gebracht werden könnten und ein "Überschwappen" auf andere Länder verhindert werden könne. "Im Fall einer zweiten Welle bin ich zuversichtlich, dass wir auf europäischer Ebene ganz anders reagieren würden (als bei der ersten Welle, Anm.)." Die EU-Staaten würden dabei "sehr viel koordinierter" vorgehen.

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Nachhaltige Veränderungen

Allgemein geht der langjährige Diplomat von einer nachhaltigen Veränderung der internationalen Politik in der Coronakrise aus. "Ich glaube schon, dass die Außenpolitik in der Post-Corona-Zeit anders ausschauen wird und auch anders ausschauen sollte", sagte er der APA. "Zum ersten Mal war der ganze Globus, jeder Staat auf diesem Planeten mit der gleichen Herausforderung konfrontiert und ist es immer noch", betonte er. Auch habe sich gezeigt, "dass im Krisenfall ein Land wie Österreich nie auf ein effizientes, eigenes Vertretungsnetz verzichten kann", sagte Schallenberg mit Blick auf die Urlauber-Rückholaktionen und die Transporte medizinischer Güter.

Vor allem die unmittelbare Nachbarschaft sei in den vergangenen Monaten wieder in den Fokus gerückt: "In der Krise hat sich gezeigt, Nachbarschaft hat einen wesentlichen Wert und diese guten, belastbaren Beziehungen haben es uns erlaubt, den Schmerz, der mit den Grenzschließungen und den Kontrollen, einherging, auf einem Minimum zu halten, und damit auch den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten."

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