Trotz Spionage-Sorgen: China errichtet "Mega-Botschaft" in London
Die britische Regierung hat den Weg für eine chinesische "Super-Botschaft" in London freigemacht. Der Minister für Kommunalverwaltung, Steve Reed, habe Pekings Pläne genehmigt, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Der riesige Komplex wird demnach auf dem Gelände des historischen Royal-Mint-Gebäudes errichtet, das sich zentral in der Nähe vom Tower of London und neben dem Finanzviertel befindet.
Das Projekt gilt vor allem wegen Sicherheitsbedenken seit Jahren als höchst umstritten. Kritiker fürchten, dass die chinesische Regierung den riesigen Komplex als Basis für Spionage nutzen könnte. Selbst Abgeordnete aus den eigenen Reihe warnen, dass von der Botschaft aus auch die Einschüchterung von Kritikern der kommunistischen Regierung koordiniert werden könnte, die nach Großbritannien geflohen sind. Die britische Regierung beteuerte jedoch, Maßnahmen entwickelt zu haben, um "alle Risiken" bewältigen zu können.
Geheimdienste warnen
Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Ken McCallum, warnte indes vor einem falschen Sicherheitsgefühl. Die Erwartung, jegliches Risiko im Zusammenhang mit der neuen Botschaft vollständig ausschließen zu können, sei "nicht realistisch", schrieb McCallum in einem gemeinsamen Brief mit der Direktorin des Geheimdienstes GCHQ, Anne Keast-Butler.
Aktivisten und Anrainer protestieren bereits seit Monaten gegen das Projekt und kündigten an, gerichtlich dagegen vorgehen zu wollen, sollte die Regierung Pekings Pläne bewilligen. Der Gründer eines internationalen Netzwerks von Parlamentariern, Luke de Pulford, bezeichnete die Genehmigung als völlig falsches Signal: "Falsch für Dissidenten, falsch für die nationale Sicherheit Großbritanniens."
Ein Regierungssprecher sagte Journalisten in London hingegen, es entspreche normalen diplomatischen Gepflogenheiten anderen Staaten die Einrichtung von Botschaften in der eigenen Hauptstadt zu erlauben. "Wer diese grundlegende Prämisse nicht akzeptiert, ist entweder naiv oder verantwortungslos isolationistisch", so der Sprecher.
Aktivisten und Anrainer protestieren bereits seit Monaten gegen das Projekt
Komplex mit 208 Zimmern
Einer Recherche des Telegraph zufolge soll zu dem neuen Riesen-Komplex auch ein Netzwerk aus 208 geheimen Räumen gehören, das sich unter dem Gebäude befinden soll. Auch eine versteckte Kammer soll es geben. Diese soll sich dem Bericht zufolge in direkter Nähe zu sensiblen Datenkabeln befinden, die für die Kommunikation des Finanzsektors entscheidend sind.
China hatte das vor mehr als 200 Jahren erbaute Royal-Mint-Gebäude laut Sky News bereits im Jahr 2018 für satte 255 Millionen Pfund (mehr als 290 Millionen Euro) gekauft und stets beteuert, alle üblichen diplomatischen Gepflogenheiten einzuhalten. Die Royal Mint ist die Prägeanstalt für Münzen, die dort früher untergebracht war. Die chinesische Regierung will ihre Pläne demnach bereits seit Jahren umsetzen, bisher wurde das Projekt jedoch auf Ebene der Kommunalverwaltung abgelehnt. 2024 erklärte Premierminister Keir Starmer das Projekt schließlich zur Chefsache - nachdem Präsident Xi Jinping Starmer persönlich gebeten hatte, zu intervenieren.
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