SDA-Chef Bakir Izetbegovic

© REUTERS/DADO RUVIC

Wahl
10/13/2014

Bosnien: Muslim-Partei erklärt sich zum Wahlsieger

Zwei Präsidiumssitze sind vergeben, serbischer noch unsicher. Erstmals dürfte eine Frau ins Staatspräsidium kommen.

Die größte muslimische Partei SDA hat sich zum Sieger der Parlaments- und Präsidentenwahlen am Sonntag in Bosnien-Herzegowina erklärt. Sie sei sowohl im Bundesparlament als auch im Parlament der muslimisch-kroatischen Landeshälfte klar stärkste Partei geworden, sagte ein SDA-Sprecher am Abend in Sarajevo nach Auszählung von mehr als der Hälfte aller abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der staatlichen Wahlkommission nur bei rund 50 Prozent.

SDA-Chef Bakir Izetbegovic habe auch die Wahl zum muslimischen Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsdium klar für sich entschieden. Die Serbin Zeljka Cvijanovic könnte als erste Frau ins dreiköpfige bosnische Staatspräsidium einziehen, muss aber noch zittern.

Der Kandidat für das kroatische Präsidiumsmitglied, HDZ-Chef Dragan Covic, kann sich dagegen nach der Auszählung von 76,52 Prozent mit 88.994 Stimmen seines Sieges sicher sein. Sein wichtigster Gegenkandidat Martin Raguz von der HDZ 1990 ist auf 67.947 Stimmen gekommen.

Zur Info:

Die Bosnier haben am Sonntag das Staatspräsidium und ihre Parlamente gewählt. Bosnien besteht aus einer Landeshälfte der Moslems und der Kroaten, die andere Hälfte ist serbisch geprägt. Im Staatspräsidium sitzen drei Vertreter dieser Gruppen.

Wer kommt ins Staatspräsidium?

Um die drei Posten im bosnischen Staatspräsidium bewerben sich 17 Kandidaten. Recht darauf haben auch dieses Mal nur Vertreter der drei staatsbildenden Völker: Bosniaken (Muslime), Serben und Kroaten. Trotz eines gegenteiligen Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) bleiben Minderheiten-Angehörige ausgesperrt. Am heftigsten ist der Kampf unter den bosniakischen Kandidaten. Zehn Personen stehen dabei in Konkurrenz. Bei den Kroaten läuft es auf einen Sieg von Dragan Covic hinaus. Er tritt für die führende Partei der bosnischen Kroaten, die HDZ, an. Zeljka Cvijanovic, die derzeitige bosnisch-serbische Ministerpräsidentin, ist Favoritin für den serbischen Präsidiums-Posten. Covic hat drei, Cvijanovic hat zwei Konkurrenten.

Im Folgenden die wichtigsten Kandidaten:

BOSNIAKEN:

Bakir IZETBEGOVIC (geboren 1956) ist der Sohn des ehemaligen bosnischen Präsidenten und SDA-Parteigründers Alija Izetbegovic. Er bemüht sich um ein zweites Mandat im Staatspräsidium. Der Architekt hat als SDA-Spitzenfunktionär gute Aussichten.

Fahrudin RADONCIC (geboren 1957) ist ehemaliger Journalist und Zeitungsverleger und zugleich Innenminister. Sein Bund für eine Bessere Zukunft (SBB) liegt in den jüngsten Umfragen hinter der SDA von Izetbegovic.

Mustafa CERIC (geboren 1952) ist das frühere Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft in Bosnien. Trotz seines internationalen Ansehens sorgte er mit seiner Kandidatur eher für negative Reaktionen im Land. Er führe eine Spaltung der bosnischen Muslime herbei, hieß es. Auch seine Unterstützung für die konservativen Wahhabiten ist vielen suspekt.

Emir SULJAGIC (geboren 1975) geht als Kandidat der in den Umfragen an der Spitze stehenden Demokratischen Front (DF) des bisherigen Präsidiumsmitgliedes Zeljko Komsic ins Rennen. Der frühere Anhänger des Sozialdemokraten Zlatko Lagumdzija war zuletzt in NGOs tätig.

KROATEN:

Dragan COVIC (geboren 1956) ist Chef der HDZ. Er bemüht sich um die Schaffung eines separaten kroatischen Landesteils. Er ist für enge Kontakte zu Milorad Dodik bekannt. Der Präsident des serbischen Landesteils (Republika Srpska) fällt immer wieder wegen seiner separatistischen Tendenzen auf.

Martin RAGUZ (geboren 1948), Chef der HDZ 1990, ist der ernstzunehmendste von Covics drei Gegenkandidaten.

SERBEN:

Zeljka CVIJANOVIC (geboren 1967) hat als Ministerpräsidentin der Republika Srpska und engste Vertraute Dodiks die größten Siegeschancen. Gewinnt sie die Wahl tatsächlich, wird sie die erste Frau im Staatspräsidium.

Mladen IVANIC (geboren 1958) war früher Außenminister und ist Chef der Partei des Demokratischen Fortschritts (PDP). Affären schmälern seine Aussichten.

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