© AP/Matt Dunham, Frank Augstein

Politik | Ausland
06/20/2019

Boris Johnson und Jeremy Hunt kämpfen um Tory-Parteivorsitz

Der Brexit-Hardliner tritt im Rennen um Theresa Mays Nachfolge gegen den aktuellen Außenminister Großbritanniens an, Umweltminister Gove schied aus.

Außenminister Jeremy Hunt tritt gegen den haushohen Favoriten Boris Johnson im Rennen um das Amt des britischen Premierministers an. Er erhielt bei der fünften und letzten Abstimmungsrunde in der Tory-Fraktion am Donnerstag 77 Stimmen und setzte sich damit gegen Umweltminister Michael Gove durch, der nur zwei Stimmen weniger bekam.

Johnson lag mit 160 Stimmen erneut weit vor seinen Konkurrenten. Er und Hunt treten nun in einer Stichwahl gegeneinander an, bei der die Mitglieder der Konservativen Partei das letzte Wort haben. Bis Ende Juli soll feststehen, wer Theresa May als Tory-Chef und Premierminister beerben wird.

Johnson beliebt bei Parteibasis

Zuvor sollen sich die beiden Finalisten bei etwa 15 regionalen Konferenzen den Tory-Mitgliedern vorstellen. Johnson gilt als überaus beliebt an der Parteibasis. Ihm wird zugetraut, Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, wieder zurückzugewinnen.

Hunt hatte beim Brexit-Referendum vor drei Jahren gegen den EU-Austritt gestimmt, kurze Zeit später aber eine Wandlung zum Brexit-Befürworter vollzogen. Viele glauben, dass er sich damit schon in Position bringen wollte für die May-Nachfolge. Als Außenminister gelang es ihm, die europäischen Verbündeten mit ähnlich provokativen Äußerungen gegen sich aufzubringen wie sein Vorgänger Boris Johnson.

Der 55 Jahre alte Johnson will das Abkommen für den EU-Austritt nachverhandeln, was Brüssel aber strikt ablehnt. Sollte das nicht gelingen, will er am 31. Oktober wohl ohne Deal ausscheiden - mit drastischen Folgen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche.

Johnson war einer der Wortführer für den Brexit vor der Volksabstimmung im Jahr 2016. Die Briten hatten sich damals mit knapper Mehrheit für die Trennung von der EU ausgesprochen.

Kein geborener Diplomat

Der einst auch unter liberalen Wählern populäre Ex-Bürgermeister von London ist für Wortwitz, aber auch Tollpatschigkeit bekannt. Seine Zeit als Außenminister ist in keiner guten Erinnerung. Johnson ist alles andere als ein geborener Diplomat. Die Liste seiner Fehltritte ist lang. Beispielsweise wird ihm vorgeworfen, das Schicksal einer im Iran inhaftierten Britin mit doppelter Staatsangehörigkeit durch eine unbedachte Äußerung verschlimmert zu haben.

Insgesamt hatte sich in den vergangenen Tagen ein knappes Dutzend Tory-Politiker für die May-Nachfolge beworben. Am Donnerstagmittag war zunächst Innenminister Sajid Javid aus dem Rennen geflogen.

Der EU-Austritt musste bereits zwei Mal verschoben werden, weil sich im Parlament keine Mehrheit für den von May mit Brüssel ausgehandelten Deal fand. Die Frist für die Loslösung von der EU wurde inzwischen bis zum 31. Oktober verlängert.