Strafprozess gegen Boris Becker hat begonnen

Der ehemalige Tennisspieler Becker bei seinem Prozess wegen Insolvenzstraftaten in London.
Becker soll in seinem Insolvenzverfahren Teile seines Vermögens nicht ordnungsgemäß angegeben haben. Es drohen bis zu 7 Jahre Haft

Den 21. März 2022 hat Boris Becker nicht herbeigesehnt. Er sei "angespannt, aber nicht panisch“, hatte der dreimaliger Wimbledon-Sieger erklärt. Der Bild am Sonntag sagte er, die vergangenen fünf Jahre seien "verdammt lang“ und "die härtesten meines Lebens“ gewesen.

Im Strafprozess, der heute am Montag begonnen hat und auf bis zu drei Wochen angesetzt ist, wird dem Deutschen vorgeworfen, Teile seines Vermögens nicht ordnungsgemäß angegeben und Trophäen nicht ausgehändigt zu haben. Becker bestreitet das. Seit 2017 läuft sein Insolvenzverfahren, zu den 20 Anklagepunkten konnte oder wollte sich Becker nicht äußern.

Der ehemalige Tennisspieler Becker während seines Prozesses wegen Insolvenzstraftaten in London.

Der 54-Jährige muss sich wegen verschiedener Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Insolvenzverfahren verantworten. Zum Prozessauftakt am Southwark Crown Court erschien der dreimalige Wimbledon-Sieger am Montag persönlich. Begleitet wurde er von seiner Partnerin, die ihm beim Betreten des Gerichtsgebäudes die Hand hielt.

Becker saß zu Prozessbeginn regungslos in einem Glaskasten. Nur eine Gerichtsmitarbeiterin und eine Übersetzerin leisteten ihm Gesellschaft. Auf dem Boden neben ihm lagen einige lose Blätter Papier, ein Kugelschreiber und eine Wasserflasche. Hinter ihm hatte sich gut ein Dutzend Journalisten auf den Zuschauerrängen eingerichtet.

Kurz vor Prozessbeginn hatte sich Beckers Ex-Frau Lilly zu Wort gemeldet. Der "Bild" sagte sie, es sei schwer, den Vater ihres Sohnes in einer solchen Situation zu sehen. "Ich blicke mit einem unwohlen Gefühl auf den Prozessbeginn", sagte die 45-Jährige. Sie wünsche ihm, dass ein gerechtes Urteil gesprochen werde, so Lilly weiter.

Unter anderem soll Becker laut Anklage Teile seines Vermögens an seine Ex-Partnerinnen Barbara (55) und Lilly (45) übertragen und damit dem Zugriff des Insolvenzverwalters entzogen haben.

Ein anderes Thema dürften die vermissten Pokale sein. Becker hatte in allen Punkten auf unschuldig plädiert. Einen Teil seiner Pokale und weitere persönliche Gegenstände hatte der Insolvenzverwalter bereits im Sommer 2019 versteigert. Darunter sogar Tennissocken aus seiner aktiven Zeit. Becker zeigte sich tief getroffen. „Bei dieser Versteigerung geht es nur darum, mir persönlich wehzutun, weil ich natürlich emotional an den Trophäen hänge“, sagte der Deutsche einmal der Bild am Sonntag.

Englisch-Übersetzer

Für das Strafverfahren will der 54-Jährige die Hilfe eines Übersetzers in Anspruch nehmen. Der Grund dafür ist nicht ganz klar, denn der Wahl-Londoner spricht eigentlich einwandfrei Englisch und trat auch immer wieder als Tennis-Experte in der BBC auf. „Wenn er etwas zum Ausdruck bringt, könnte es besser sein, er tut das auf Deutsch, und es wird dann ins Englische übersetzt“, sagte sein Verteidiger Jonathan Laidlaw der Nachrichtenagentur PA.

Teilweise war das Insolvenzverfahren von bizarren Wendungen geprägt. Eine Zeit lang hatte Becker behauptet, er sei Diplomat der Zentralafrikanischen Republik. Tatsächlich wurde er auf der Webseite der Botschaft des Landes in Brüssel als „Attaché für die Beschaffung von Mittel für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten“ geführt. Der dortige Botschafter pflichtete ihm bei, doch mehrere Regierungsmitglieder des bitterarmen Landes widersprachen. Schließlich verzichtete Becker darauf, sich weiter auf seinen Diplomatenstatus zu berufen.

Wie viele ehemalige Spitzensportler bekam Boris Becker sein Leben nach seinen frühen Tenniserfolgen nie ganz in den Griff. Er warf sein Geld mit beiden Händen hinaus, hörte auf falsche Berater und stieß diejenigen, die es ehrlich mit ihm meinten, vor den Kopf. Mit den Jahren wurde er, ohne es selbst zu merken, eine fast schon tragische Figur.

In dem Strafverfahren gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass der auch auf dem Tennisplatz stets als hartnäckig bekannte Becker aufgeben könnte. „Wenn alles gegen mich läuft, habe ich ein Problem. Aber ich bin ein Mensch, der niemals aufgibt und immer bis zum Ende kämpft“, hatte der frühere Weltranglisten-Erste noch im Februar betont.

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