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08.04.2018

Berlin: Polizei verhinderte Anschlag auf Halbmarathon

Der Hauptverdächtige soll zum privaten Umfeld des Terroristen Anis Amri gehören. Die Polizei hatte Hinweise auf die geplante Attacke.

Vor dem Berliner Halbmarathon vom Sonntag haben der Berliner Polizei Hinweise auf eine möglicherweise geplante Gewalttat während der Veranstaltung vorgelegen. Es habe Hinweise darauf gegeben, dass die sechs Festgenommenen im Alter von 18 bis 21 Jahren "an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung beteiligt gewesen sein könnten", erklärten die Beamten in Berlin.

Auf dieser Grundlage seien die Durchsuchungen und die sechs Festnahmen erfolgt - weitere Angaben seien wegen der laufenden Ermittlungen derzeit nicht möglich. Von einem Terrorverdacht war in der Mitteilung zunächst nicht die Rede.

Die Welt hatte zuvor berichtet, dass die Berliner Polizei einen Anschlag auf den Halbmarathon verhindert habe. Die Zeitung schrieb in ihrer Onlineausgabe von vier Festnahmen - darunter als Hauptverdächtiger ein Mann aus dem privaten Umfeld des Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri. Der Hauptverdächtige soll dem Bericht zufolge geplant haben, mit zwei extra scharf geschliffenen Messern Zuschauer und Teilnehmer der Sportveranstaltung zu töten. Er habe damit den Tod von Amri rächen wollen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

In der Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen des am Sonntag von den Einsatzkräften überwältigten Hauptverdächtigen hätten auf Sprengstoff trainierte Hunde im Keller angeschlagen, berichtete die "Welt". Eine der durchsuchten Wohnungen im Berliner Westen soll demnach auch nach dem Anschlag mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 durchsucht worden sein.

Damals hatte Amri zwölf Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt. Auf der Flucht wurde der Tunesier einige Tage später in Italien von der Polizei erschossen.

Durchsuchungen bestätigt

Die Polizei bestätigte in der gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft lediglich mehrere Durchsuchungen von Wohnungen und zwei Fahrzeugen in den Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln, "die zum Auffinden von Beweismitteln und Festnahmen führten". Neben den Hinweisen auf eine womöglich geplante Gewalttat beim Halbmarathon hätten sich die Behörden auch aufgrund "der noch nicht vollständig geklärten Hintergründe des gestrigen Attentats in Münster" zu dem Einsatz entschlossen.

In Münster hatte am Samstag ein 48-jähriger Deutscher einen Campingbus in eine Restaurantterrasse gesteuert und zwei Menschen getötet sowie zahlreiche weitere verletzt. Anschließend erschoss sich der offenbar psychisch gestörte Täter selbst.

Nach Tagesspiegel-Informationen war der Hauptverdächtige im Fall des Berliner Halbmarathons zuvor zwei Wochen dauerobserviert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Zuletzt gab es offenbar einen Hinweis durch einen ausländischen Geheimdienst, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Auch deshalb hätten die Sicherheitskräfte am Sonntag eingegriffen.

"Ganz normales Rennen"

Nach dem tödlichen Zwischenfall in Münster hatte Berlins Innensenator Andreas Geisel am Samstag angekündigt, dass die Polizei noch einmal die schon "extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen" für den Halbmarathon am Sonntag überprüfen werde. Laut Polizei bestand keine konkrete Gefährdung. Sie wollte mit 630 Beamten im Einsatz sein, um die Strecke abzusperren und zu sichern.

Der Halbmarathon ging nach Angaben der Veranstalter ohne außergewöhnliche Vorfälle an der Strecke zu Ende. "Wir haben ein ganz normales Rennen durchgeführt", sagte ein Sprecher von SCC Events am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Von Teilnehmerseite ist alles gut gelaufen."