Tornado der Royal Air Force

© APA/EPA/Cpl Andy Holmes/HANDOUT

Kampf gegen Terror
12/03/2015

Auch Großbritannien zieht in den Krieg

Premier Cameron überzeugte Parlament von Einsatz gegen IS. Kurz darauf flogen die Kampfjets los.

Kriegsbeginn innerhalb weniger Stunden: Erst kurz nachdem das britische Parlament eine Ausweitung des Kampfeinsatzes in Syrien gebilligt hatte, flog die Luftwaffe Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat an. Erstes Ziel de Tornado-Jets waren Ölquellen im Osten des Landes. Damit habe man der Finanzierung der Organisation einen "echten Schlag" versetzt, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon am Donnerstag der BBC.

Mit einer Mehrheit von 174 Stimmen hatten die Abgeordneten in der Nacht den Plänen der konservativen Regierung von Premier David Cameron zugestimmt. Dieser hatte zuvor noch eindringlich Werbung für den Einsatz gemacht. "Es ist die richtige Entscheidung für die Sicherheit des Vereinigten Königreichs", teilte Cameron nach der Abstimmung mit. Außenminister Philip Hammond sagte der BBC, Militärschläge alleine könnten die Terroristen zwar nicht besiegen. Doch das Land sei durch den Entschluss sicherer geworden.

Nicht nur die Abgeordneten der oppositionellen Labour-Partei zeigten sich enttäuscht. Parteichef Jeremy Corbyn ist als überzeugter Pazifist gegen die Ausweitung des Militäreinsatzes, hatte der Fraktion aber zugestanden, frei abzustimmen. Mehr als 60 Labour-Abgeordnete votierten daraufhin mit den Konservativen und gegen die Linie des Parteichefs, darunter auch Schatten-Außenminister Hilary Benn. Vor dem Parlament hatten auch Gegner der Einsatzes lautstark demonstriert - vergebens.

Allianz gegen Daesh

Cameron hatte seit Monaten Stimmung für die Ausweitung des Kampfeinsatzes gemacht, doch erst nach den Anschlägen von Paris schwenkte eine klare Mehrheit der Abgeordneten auf seinen Kurs ein. Der Premier gab auch die Anweisung heraus, die Terrormiliz nicht mehr Islamischer Staat zu nennen, sondern Daesh. Das Akronym Daesh ist im Arabischen negativ besetzt, weil es ähnlich klingt wie das Wort Dahes (etwa: jemand, der Zwietracht sät).

Kritiker glauben nicht, dass britische Bomben einen entscheidenden Unterschied machen. Sie fürchten, dass es an Bodentruppen und einer nachhaltigen Strategie fehlt. Die USA hatten am Mittwoch die NATO-Partner aufgefordert, sich noch stärker an der Bekämpfung des IS zu beteiligen. Bisher halfen die Briten in Syrien bei der Luftüberwachung und mit der Betankung von Kampfflugzeugen. Frankreich fliegt dort bereits Luftangriffe.

In Deutschland soll am Freitag der Bundestag über den geplanten Syrien-Einsatz von bis zu 1.200 Bundeswehr-Soldaten abstimmen. Daran sollen Aufklärungs-Tornados, ein Tankflugzeug sowie eine Fregatte zum Schutz des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle teilnehmen. Außerdem sollen der von den USA geführten Anti-IS-Koalition Satellitenbilder übermittelt werden.

Neues IS-Video zeigt Enthauptung

Die Extremisten provozieren derweil weiter. Am Mittwoch wurde im Internet ein Video veröffentlicht, das die Hinrichtung eines angeblichen russischen Spions in Syrien zeigen soll. In dem Film ist ein Gefangener in orangefarbener Kleidung zu sehen, der auf Russisch sagt, er sei vom Geheimdienst seines Landes rekrutiert worden, um Informationen über den IS und dessen Kämpfer aus dem Kaukasus zu sammeln. Ein russischsprachiger IS-Kämpfer wendet sich daraufhin direkt an Moskau und verkündet, dass Russland in Syrien eine Niederlage bevorstehe und seine Soldaten getötet würden. Das Video mit dem Logo des IS-Medienbüros in der syrischen Provinz Raqqa endet mit der Enthauptung des Gefangenen. Die Stadt Raqqa in der gleichnamigen nördlichen Provinz gilt als Hochburg des IS.

Russische und syrische Truppen bereiten unterdessen nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Offensive in der nordöstlichen Provinz Idlib vor, die von einer Rebellenallianz namens Eroberungsarmee kontrolliert wird. Zu diesem Zweck fänden seit zwei Wochen im Norden der Provinz Latakia gemeinsame Übungen statt, hieß es weiter. Das mit dem syrischen Staatschef Bashar al-Assad verbündete Russland fliegt auf Damaskus' Aufforderung seit Ende September Luftangriffe in Syrien.

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