Politik | Ausland
10.07.2018

Asyl: Weniger Ankünfte in Italien, weniger Asylanträge in Deutschland

Im ersten Halbjahr gingen die Ankünfte in Italien um 80 Prozent zurück, Deutschland verzeichnete um 16,4 Proznet weniger Asylanträge.

Im ersten Halbjahr 2018 ist die Zahl der in Italien eingetroffenen Migranten um 80 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017 gesunken. Dies geht aus Angaben des italienischen Innenministeriums hervor. Zwischen Anfang Jänner und Ende Juni sind 16.935 Migranten über die See in Italien eingetroffen, im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch 85.211 und 2016 77.733.

Noch stärker ist der Rückgang, wenn man die Zahl der Ankommenden aus Libyen betrachtet. 11.535 Flüchtlinge erreichten Italien seit Anfang dieses Jahres aus dem nordafrikanischen Land, das sind um 85,8 Prozent weniger gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017.

Die meisten in diesem Jahr eingetroffenen Asylwerber stammen aus Tunesien, Eritrea, Sudan, Nigeria und der Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste). Im Rahmen des Relocation-Programms (Umsiedelung) wurden bisher 12.725 Flüchtlinge in andere EU-Länder umverteilt, die meisten davon (5.439) gingen nach Deutschland und nach Schweden (1.408).

Deutschland

Die Zahl der Asylanträge in Deutschland lag im ersten Halbjahr um 16,4 Prozent oder 18.300 Fälle unter der des ersten Halbjahres 2017. Insgesamt seien von Jänner bis Juni 93.316 Asylanträge gestellt worden, davon 81.765 Erstanträge, teilte das deutsche Innenministerium am Dienstag in Berlin mit.

Im Juni gab es demnach 13.254 Asylanträge, darunter 11.509 Erstanträge. Dies waren demnach 13,2 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 6,1 Prozent mehr als im Mai.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte zum Anstieg von Mai auf Juni, damit werde es "zunehmend wahrscheinlich", dass der im Koalitionsvertrag - auf Druck der CSU - vereinbarte Korridor für die Zuwanderung von 180.000 bis 220.000 Menschen jährlich erreicht werde oder sogar überschritten werden könnte.

Das Hauptherkunftsland blieb mit einem deutlichen Abstand Syrien - im ersten Halbjahr stammten 22.520 Antragsteller aus dem Bürgerkriegsland. Es folgten Irak, Afghanistan und Nigeria. Unter den zehn häufigsten Herkunftsstaaten gab es aus drei Staaten im ersten Halbjahr einen Anstieg: Aus Nigeria, der Türkei und Georgien kamen mehr Antragsteller. Aus den sieben weiteren Ländern verringerte sich die Zahl der Anträge.

Slowenien

In Slowenien ist die Zahl von illegalen Grenzübertritten im Juni gegenüber dem Vormonat zurückgegangen, wie die Statistik der slowenischen Polizei zeigt. Im Juni wurden 885 Personen beim Versuch erwischt, illegal ins Land einzureisen. Im Mai, als die höchste Zahl im laufenden Jahr erreicht wurde, gab es 1.158 Fälle.

Insgesamt wurden in der ersten Jahreshälfte (vom Jänner bis Ende Juni) 3.427 illegale Grenzübertritte verzeichnet. In der gleichen Vorjahresperiode gab es 754 Fälle. Die meisten Migranten stammten aus Pakistan, Algerien und Syrien - ihre Zahlen sind gegenüber des Vorjahres stark gestiegen.

Im April (573 Fälle) und Mai war die Zahl der illegalen Grenzübertritte nach Angaben der slowenischen Behörden erwartungsgemäß stark angestiegen, was auf bessere Wetterbedingungen und die Eröffnung einer neuen Route über Bosnien zurückgeführt wurde. Mit zusätzlichen Maßnahmen zur Beschränkung von illegaler Einreise am gesamten Balkan sei im Juni die Zahl wiederum gesunken, hieß es seitens der Polizei.

Auch die Zahl der Asylanträge ging im Juni zurück. Insgesamt 246 Personen stellten im vergangenen Monat einen Asylantrag in Slowenien. Das ist rund ein Drittel weniger als im Mai (365 Anträge) und vergleichbar mit April (274 Anträge), wie aus der Statistik des Innenministeriums hervorgeht. In der ersten Jahreshälfte wurde insgesamt 53 Personen Asyl gewährt.

Gestiegen ist unterdessen die Zahl von Zurückweisungen. Aus dem Ausland wurden heuer insgesamt 249 Personen nach Slowenien zurückgewiesen, die meisten davon, 157 Personen, aus Italien. Nach Angaben der Polizei handelt es sich dabei um Asylsuchende, die slowenische Asylunterkünfte noch vor dem Ende der Verfahren verlassen, um weiter zu ziehen. Aus Österreich gab es in der ersten Jahreshälfte 13 Zurückweisungen. In der gleichen Vorjahresperiode gab es insgesamt 193 Zurückweisungen, davon 21 aus Österreich.

Slowenien seinerseits wies 1.000 Flüchtlinge nach Kroatien zurück. In der gleichen Periode des Vorjahres gab es insgesamt 346 Zurückweisungen in das südliche Nachbarland. Die Zahl sei deutlich gestiegen, weil sich die Kooperation mit den kroatischen Behörden verstärkt habe, hieß es.

Wegen sogenannter Push-Backs - sie sind laut Experten völkerrechtswidrig - an der Grenze zu Kroatien geriet die slowenische Polizei in Kritik. Medienberichten zufolge berichteten Flüchtlinge in Bosnien, die es über Kroatien bereits nach Slowenien geschafft hatten, von slowenischen Grenzschützer zurück nach Kroatien gedrängt worden zu sein - ohne die Möglichkeit einen Asylantrag zu stellen. Die kroatische Polizei brachte sie wiederum zurück nach Bosnien. Die slowenische Polizei und das Innenministerium wiesen die Vorwürfe zurück, die Angelegenheit wird von UNHCR und der slowenischen Volksanwältin geprüft.