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Politik Ausland
07/30/2012

Aleppo: Wirtschaftsmetropole als "Sargnagel" für Regime

Den dritten Tag in Folge tobten am Montag in Aleppo Gefechte. Über Erfolge des s­yrischen Militärs gab es widersprüchliche Meldungen.

von Karoline Krause-Sandner

Seit vergangener Woche wird um die nordwestsyrische Stadt Aleppogekämpft, 200.000 der 2,5 Millionen Einwohner sollen auf der Flucht in die 50 Kilometer entfernte Türkei sein.

In den ersten Phasen des Konflikts, der seit März 2011 andauert, hatten sich die Gefechte auf Protesthochburgen wie Daraa und Homs konzentriert. In Damaskus und Aleppo ging das Leben einigermaßen geordnet weiter. Doch nun haben sich die Kämpfe auf die beiden Metropolen verlagert.

Strategisch wichtig

Aleppo, die größte Stadt Syriens, ist nach Einschätzung des US-Verteidigungsministers Leon Panetta von großer strategischer Bedeutung. Er nannte sie den "Sargnagel" des Regimes von Bashar al-Assad. Sie ist eine der am längsten bewohnten Städte der Erde, war einst ein Treffpunkt für Handelsreisende auf der Seidenstraße, die China mit dem Mittelmeer verband. Heute sind hier noch viele reiche Händlerfamilien zu Hause.

Aleppo ernährt Syrien mit ihrer Produktion und ihren Exporten. Fällt die Metropole, dann wird es für Assad sehr schwierig. Ein Drittel aller Exportgüter, abgesehen vom Erdöl, wird in Aleppo produziert. Hier ist die petrochemische Industrie ebenso zu Hause wie die Pharma- und die Textilindustrie. Im umliegenden ländlichen Gebiet wird Landwirtschaft betrieben, Lebensmittel werden in Aleppo weiter verarbeitet.

Abgewendet

Die sunnitische Oberschicht war – im Gegensatz zur Unterschicht in den umliegenden Dörfern – lange solidarisch mit dem alawitischen Regime. Immerhin profitierte sie lange von dessen Zuwendungen. Doch mit dem Aufstand kam die Unsicherheit. Erste Bombenanschläge gab es im Februar, im Mai stürmte die Armee nach Studentenprotesten ein Heim.

Spätestens seit die wirtschaftlichen Sanktionen gegriffen haben, wandten sich die Bewohner vom Regime ab. Die Wirtschaft verschlechterte sich zusehends. Treibstoffknappheit zwang Fabriken zum Zusperren. Es sei möglich, berichten Reporter, dass die reichen Aleppiner daraufhin Kontakt zur Freien Syrische Armee aufnahmen.

Jetzt wird in Aleppo gekämpft. Bewohner klagen über Lebensmittelknappheit und Stromausfälle. Die Rebellen sollen aber eine wichtige Nachschubroute zur türkischen Grenze gesichert haben. Von dort sollen Nahrung und Waffen kommen.

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