Ägypten wartet auf ein Urteil

Ein Jahr nach seinem Sturz steht Hosni Mubarak noch immer vor dem Strafgericht. Die Staatsanwaltschaft will die Todesstrafe.
Ein Mann mit Sonnenbrille liegt auf einem Kissen, umgeben von Menschen in Anzügen.

Genau ein Jahr ist vergangen, seit Hosni Mubarak am 11. Februar 2011 seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Am 3. August hat der Prozess gegen ihn begonnen. Das Urteil soll schon bald fallen.

Was genau wird Mubarak vorgeworfen? Welches Strafmaß erwartet ihn?

Mubarak, Ex-Innenminister Habib al-Adly und sechs weitere Sicherheitsbeamte werden beschuldigt, direkt oder indirekt für den Tod von knapp 900 Demonstranten während der 18-tägigen Unruhen verantwortlich zu sein. Gegen Mubarak und seine beiden Söhne Gamal und Alaa stehen zudem Korruptionsklagen an. Die Staatsanwaltschaft forderte im Jänner die Todesstrafe für alle des Mordes Beschuldigten. Doch Aktivisten bezweifeln, dass es jemals ein Urteil geben wird. Hinter verschlossenen Türen soll sich der Chef des Militärrats, Hussein Tantawi, für Mubaraks Unschuld ausgesprochen haben.

Wie lange könnte der Prozess noch dauern?

Die Staatsanwaltschaft beklagt einen Mangel an Kooperation des Innenministeriums, dort verzögere man die Präsentation von Beweisen, heißt es. Immer wieder kommt es zudem zu Vertagungen. Zuletzt, weil die Opferanwälte einen Befangenheitsantrag gegen den Richter stellten, der aber abgelehnt wurde. Die Verteidigung hört nicht auf, ihre Beweise vorzubringen, die Beobachter als „schwach“ bezeichnen. 2000 Zeugen wurden gehört. Die Taktik ist offenbar ein Verzögern des Prozesses. Alle Angeklagten – inklusive Hosni Mubarak – plädieren auf nicht schuldig. Bis 16. Februar haben die Anwälte Zeit, ihre Beweise zu bringen. Noch im Februar soll bekannt gegeben werden, wann eine Entscheidung fällt.

Wie krank ist der 83-jährige Mubarak?

Mubaraks Gesundheitszustand dürfte stabil sein. Er ist wegen Herzproblemen in Behandlung in einem Militärspital am Rande Kairos. Anwälte der anderen Angeklagten sowie Opferanwälte fordern, dass er in die Krankenstation des Tora-Gefängnisses überstellt wird, damit er nicht mehr Luxus genieße als die anderen Beschuldigten. Gerüchten zufolge drohte Mubarak aber, sich umzubringen, wenn er ins Gefängnis müsse.

Wie reagiert die ägyptische Bevölkerung?

Mubaraks Gegner, die beim ersten Prozesstermin noch gejubelt haben, sind enttäuscht. Viele glauben nicht mehr an eine Verurteilung. Die Gruppe der Mubarak-Anhänger wird wieder größer. Viele beschweren sich über die mangelnde Sicherheit seit Mubaraks Rücktritt, andere fürchten die Islamisten.

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