European Court of Justice rules on Asylum at point of entry to the EU

© EPA / GYORGY VARGA

Politik Ausland
04/18/2021

18.000 unbegleitete Minderjährige in Europa verschwunden

Die meisten vermissten Flüchtlingskinder stammen aus Marokko, Algerien und Eritrea.

In Europa sind zwischen 2018 und 2020 18.292 unbegleitete Flüchtlingskinder und Jugendliche als verschwunden gemeldet worden, nachdem sie in staatlicher Obhut waren. Das berichtete der deutsche Sender RBB unter Berufung auf eine gemeinsame Datenanalyse unter anderem mit dem Guardian und dem niederländischen Rundfunk VPRO. Die meisten der verschwundenen Minderjährigen stammen demnach aus Marokko, Algerien und Eritrea.

Die europaweite Analyse des Rechercheverbunds offenbare deutliche Unterschiede der nationalen Statistiken: Frankreich, Dänemark und Rumänien erheben demnach gar keine Daten zu unbegleiteten Flüchtlingskindern, Bulgarien unterscheidet nicht zwischen begleiteten und allein reisenden Minderjährigen.

Dem Bericht zufolge wurden in Deutschland nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) zwischen 2018 und 2020 7.806 unbegleitete Minderjährige als vermisst gemeldet. Die meisten stammten aus Afghanistan, Marokko und Algerien. 7.082 Minderjährige sind demnach wieder aufgetaucht, 724 werden weiterhin vermisst.

Dunkelziffer

In Österreich sind laut ARD-Grafik zwischen 2018 und 2020 207 Kinder aus Aufnahmezentren verschwunden. Laut Anfragebeantwortung des Innenministers haben im Vorjahr 5.730 Minderjährige in Österreich einen rechtskräftigen Schutzstatus erhalten. Davon waren 5.544 begleitete Minderjährige, mit 5.028 unter 14 Jahren und 516 zwischen 14 und 18 Jahren.

Laut Asylkoordination Österreich verschwindet von den ankommenden Minderjährigen mehr als die Hälfte, heißt es in einer Aussendung der NGO. Wobei es bei einigen von ihnen sein kann, dass im Nachhinein die Volljährigkeit festgestellt wurde.

2020 haben 1.467 unbegleitete Minderjährige einen Asylantrag in Österreich gestellt. Von ihnen sind aber nur 432 zum Verfahren zugelassen worden. 265 wurden für volljährig erklärt, zwei in andere EU-Länder überstellt, berichtet der SPÖ-nahe Blog Kontrast.

Hinter dem Verschwinden vieler der Minderjährigen vermuten die Ermittler kriminelle Netzwerke. Dass diese europaweit - und darüber hinaus - aktiv sind, ist bei Europol lange bekannt. 2016 warnte die europäische Polizeibehörde öffentlich vor entsprechenden Aktivitäten.

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