450.000 bei Sozialprotes­ten in Israel

Nach den bisher größten Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit in Israel steigt der Druck auf Premier Netanyahu weiter.

Bei den größten Sozialprotesten in der Geschichte Israels haben am Samstag.... ... etwa 450.000 Menschen landesweit eine gerechtere Gesellschaftsordnung gefordert. In Tel Aviv, Jerusalem und zahlreichen anderen Städte des Landes gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße, um ihren Forderungen nach.... ....niedrigeren Steuern, besseren Bildungschancen und anderen Änderungen Nachdruck zu verleihen. Es war der bisherige Höhepunkt einer Bewegung, die im Juli mit einem Zeltlager von Studenten begann und inzwischen auch die Mittelschicht erreicht hat. "Herr Ministerpräsident, sehen sie uns gut an: Wir sind die neuen Israelis", sagte der Vorsitzende des nationalen Studentenbundes, Itzik Shmueli vor den etwa 300.000 Teilnehmern der größten Einzelkundgebung in Tel Aviv. Sprecher der Protestbewegung bezeichneten es als Riesenerfolg, dass so viele Menschen dem siebenten Aufruf in Folge zu den Samstagsprotesten gefolgt seien. "Die genauen Zahlen sind ganz egal, die sind sowieso nur für die Medien", sagte ein Demonstrant in Tel Aviv. Große Demonstrationen wurden auch aus Jerusalem, Haifa und Afula gemeldet. Die Atmosphäre bei den Kundgebungen war wie schon an den früheren Wochenenden äußerst friedlich und hatte Volksfestcharakter. In Tel Aviv mischten sich Musikgruppen, Pantomimen und Schauspielergruppen unter die Demonstranten, die mit Tröten, Kochtopfschlagen und Gesängen ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Die Protestbewegung hatte Mitte Juli spontan mit einem Zeltlager aus Ärger über hohe Mieten in Tel Aviv begonnen. Die Bewegung schwoll jedoch von Wochenende... ...zu Wochenende an und breitete sich auch im ganzen Land aus. Inzwischen sind die Forderungen viel umfassender und zum Teil auch unübersichtlicher geworden. Es geht nicht mehr nur um das Wohnungsproblem,... ...sondern auch um die Lebensmittelpreise, die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem und vor allem auch die Steuerlast. Generell wird eine stärker lenkende Rolle des Staates verlangt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der eine liberale Wirtschaftspolitik betreibt, hatte Anfang August unter dem Eindruck der Massenproteste ein Expertenteam unter Leitung des ehemaligen Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrats, Professor Manuel Trajtenberg, eingesetzt. Er kündigte Vorschläge ... ...zur Lösung der Krise für Ende September an. Bis dahin wurden vorerst keine weiteren Großdemonstrationen mehr erwartet. Allerdings hat die Regierung auch erklärt, dass nicht alle Forderungen der Demonstranten erfüllt werden könnten. "Es müssen Prioritäten gesetzt werden", sagte ein Regierungssprecher im Rundfunk. Die Regierung werde den Rahmen des Haushalts nicht sprengen. Weitere Eindrücke von den Demonstrationen in Tel Aviv.
(APA, AFP, AP, Reuters / stb) Erstellt am
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