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07/14/2019

Von Casanova bis Kennedy: Die größten Frauenhelden

Geschichte mit Geschichten: Berühmte Männer und ihre Liebschaften.

von Georg Markus

Vom größten Frauenhelden aller Zeiten wissen wir nicht einmal, ob er wirklich gelebt hat. Don Juan soll ein Höfling des Königs Pedro von Kastilien gewesen sein, er wurde von Dichtern beschrieben und von Mozart zum Opernhelden erkoren. Von diesem „Don Giovanni“ heißt es, er hätte „weit über 1000 Frauen“ geliebt. Bescheidener gibt sich Giacomo Casanova, der sich mit 300 Damen zufriedengab. Große Frauenhelden waren auch König Ludwig XV., Napoleon, mehrere Habsburger und in unseren Tagen John F. Kennedy und Gunter Sachs.

Casanova in Wien

Casanova, der Inbegriff des Verführers, verdankt seine legendären Erfolge der Mundpropaganda, die ihm immer neue Amouren zutrieb. Als etwa die schöne Caterina Capretta nach einer mit ihm verbrachten Nacht ihrer besten Freundin, einer Nonne, von seinen Liebeskünsten erzählte, gab sich auch diese ihm hin.

Giacomo Casanova liebte auch hierzulande. Bei seinem ersten Wien-Besuch, 1725, beglückte er eine Baronin, „die ein lockeres Leben geführt“, und er fiel einer Unzahl weiterer Wienerinnen in die Arme, die „der Liebe huldigten“.

Die Pompadour

Nicht wenige Monarchen sahen die eheliche Untreue als Teil ihrer Berufspflichten. Diesbezüglich ungeschlagen bleibt Frankreichs Ludwig XV., dessen Mätressen heute mindestens so berühmt sind wie er selbst.


1745 erwählte er die „im Liebesspiel einzigartige“ Pompadour zu seiner Favoritin. Er musste sie zunächst verstecken, aber nicht vor seiner Gemahlin, die sich mit ihren Nebenfrauen längst abgefunden hatte, sondern vor seiner Hauptgespielin, der hochgradig eifersüchtigen Herzogin von Châteauroux. Erst nach deren Tod war der Weg frei für die Pompadour, der er in Versailles ein Liebesnest einrichtete. Als sie im achten Jahr ihrer Liaison erkrankte und dem König nicht mehr bieten konnte, was er verlangte, ließ sie das Lustschloss Eremitage bauen, in dem Ludwig immer neue Mädchen gefügig zu sein hatten. Waren sie schwanger, brachte die Pompadour „die Sache“ in Ordnung, verheiratete die armen Geschöpfe und sorgte dann wieder „für Nachschub“.

Madame Dubarry

Als die Pompadour starb, fand König Ludwig in Madame Dubarry eine neue Favoritin. Sie blieb bis zu seinem Tod bei ihm und wurde danach vom Hof gejagt.

Napoleon liebte zwar seine Ehefrauen Joséphine und die Österreicherin Marie Luise, hatte aber, da Gemahlin Nr. 1 keine Kinder bekam, die Ausrede, seine Zeugungsfähigkeit anderwärts testen zu müssen, wovon er ausgiebig Gebrauch machte. Die Konkubinen wurden sogar auf sein jeweiliges Schlachtfeld mitgenommen. Meist waren die Frauenhelden freilich keine Helden, sondern egozentrische Machos, die ihr Geld und ihre Macht ausnützten.

Mätresse und Affäre

Während sich die französischen Monarchen Mätressen hielten, blieben die Liebschaften der Habsburger „Affären“. Der Unterschied: Zu einer Mätresse steht man in aller Öffentlichkeit, die Affäre bleibt geheim. Kaiser Josef I. hatte seine erste Amour gleich nach der Hochzeit im Jahre 1699. Sie hieß Catarina di Balbino und war ihm ebenso ergeben wie ihre Tochter und etliche Hofdamen. Geheimagenten meldeten von Wien nach Paris, „dass der Kaiser während der Konferenzen bei Hof Liebesbriefe an seine Kurtisanen“ schrieb.

Die Habsburger

Der lebenslustigste Habsburger war Kaiser Leopold II. Namentlich bekannt ist die Tänzerin Livia Raimondi, die während einer Ballettvorführung ausgepfiffen wurde, worüber sie sich bei Leopold beschwerte, der die Audienz nützte, um mit ihr zarte Bande zu knüpfen. Im selben Jahr, in dem Livia ihm einen Sohn namens Luigi schenkte, gebar auch seine Gattin Maria Luise ein Kind – das sechzehnte!

Dass auch Kaiser Franz Joseph intimen Kontakten nicht abgeneigt war, ist bekannt. Mit Katharina Schratt verband ihn eine 30-jährige Freundschaft, und das einfache Wiener Mädchen Anna Nahowsky soll ihm eine Tochter geschenkt haben. Kaiserin Elisabeth wusste alles und hatte, jedenfalls in ihren späteren Ehejahren, nichts dagegen.

Kennedys Amouren

John F. Kennedy hatte ein Faible für Schauspielerinnen. Sie hießen Sophia Loren, Zsa Zsa Gabor, Lee Remick und Marilyn Monroe.

Ein Jahr lang waren der mächtigste Mann der Welt und das größte Sexsymbol der Welt ein Liebespaar. Die intimen Begegnungen fanden in einem New Yorker Hotelappartement statt und wurden vom Geheimdienst abgeschirmt. Wenn „JFK“ sich von Marylin verabschiedete, dann nannte er den Zeitpunkt, an dem er sich wieder melden würde – sie durfte ihn niemals anrufen.

Freilich herrschten in der Medienlandschaft dieser Zeit ganz andere Gesetze: Als Kennedy im Weißen Haus saß, wäre kein Journalist auf die Idee gekommen, seinen zahllosen Eroberungen auch nur eine Zeile zu widmen. Erst in den 1970er-Jahren, als das Amt des Präsidenten durch die „Watergate“-Affäre beschädigt war, begann man Kennedys Liebesleben posthum aufzuarbeiten. Seither haben ihm seine Biografen 57 Freundinnen nachgewiesen, es dürften aber wesentlich mehr gewesen sein.

BB und Gunther Sachs

Als der deutsche Playboy des 20. Jahrhunderts galt der Fotograf, Kunstsammler und Millionenerbe Gunter Sachs. Das Interesse der Öffentlichkeit für seine Eroberungen begann, als er 1962 eine Liaison mit Persiens Ex-Kaiserin Soraya hatte. Er propagierte die freie Liebe, lebte auch danach und erreichte den Höhepunkt seiner Popularität als Frauenschwarm, als er 1966 Frankreichs Sexgöttin Brigitte Bardot heiratete. Drei Jahre nach der Hochzeit ließ er sich wieder scheiden und ehelichte die Schwedin Mirja Larsson. 2011 nahm sich Gunter Sachs, als bei ihm Alzheimer diagnostiziert wurde, im Alter von 78 Jahren das Leben.

Natürlich gibt es auch heute noch Frauenhelden. Die sich aber seit Beginn der #MeToo-Debatte eher diskret verhalten.