VW ID.3 und Seat el-Born im ersten Vergleich

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Beide Elektroautos sind sich überraschend ähnlich.

Gestern hat VW die erste Vorbestellphase für den neuen ID.3 eingeläuet. Der Erfolg ist überwältigend: Schon nach 24 Stunden gibt es europaweit über 10.000 Registrierungen für ein Modell der sogenannten "1ST Edition". Beim Betrachten des nicht mehr so stark getarnten VW ID.3 fiel uns jedoch ein Aspekt besonders auf: Das Elektroauto weist sehr viele Ähnlichkeiten zum Seat el-Born auf, der als seriennahe Studie im März 2019 debütierte.

Überraschend ist das aber nur auf den ersten Blick, schließlich werden ID.3 und el-Born gemeinsam in Zwickau vom Band laufen. Zudem lohnt sich die MEB-Plattform für den Volkswagen-Konzern erst bei hohen Stückzahlen. Anders formuliert: Nur durch sehr viele Modelle aller Marken können die Entwicklungskosten in Milliardenhöhe wieder eingespielt werden. Los geht es aber zunächst mit dem VW ID.3 und dem Seat el-Born. Grund genug, beide Fahrzeuge auf dem Papier miteinander zu vergleichen. Durch Ziehen der Pfeile können Sie selbst auf dem Foto unten erkennen, wie sehr sich ID.3 und el-Born ähneln.

Optik

Hier zeigen sich erstaunlich viele Parallen zwischen VW und Seat. So viele, dass man geneigt ist zu sagen: Der ID.3 ist der el-Born. Auffallend sind bei beiden Fahrzeugen die breite C-Säule (vom Seat etwas besser kaschiert), der markante Spoiler entlang des Heckfensters und das große Seitenfenster vor den vorderen Türen. Gemeinsamkeiten sind neben dem Fensterverlauf zudem der Falz entlang der Türgriffe und die aufgesetzten Außenspiegel. Während der ID.3 am Heck den kommenden Golf zitiert, erinnert der Hintern des el-Born an den Seat Tarraco. Vorne gibt sich der el-Born etwas kantiger als der ID.3 und verzichtet außerdem auf dessen seltsamen Wulst unter der Frontscheibe.

Ein endgültiges Urteil zur Optik kann aber erst gesprochen werden, wenn der VW ID.3 seine ungetarnte Weltpremiere auf der Frankfurter IAA im September 2019 feiert. Dann wissen wir auch, ob alle ID.3 die bislang gezeigten 20-Zoll-Räder bekommen, deren Felgen auch beim Seat visuell zwischen Turbine und Gemüsehobel schwanken. Zu den Abmessungen äußern sich beide Marken noch nicht, Beobachter rechnen aber mit einer Länge zwischen 4,20 und 4,25 Meter. Vergleicht man die Ansichten von VW und Seat, so könnte der ID.3 ein paar Zentimeter länger sein. Im Innenraum gibt der el-Born bereits sehr konkrete Einblicke preis, dominant ist das digitale Cockpit mit seinem 10-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole für Infotainment und Konnektivität. Abgesehen von Details dürfte es im ID.3 nicht anders zugehen.

Technik

Die Akku-Varianten für den VW ID.3 wurden bereits offiziell bekannt gegeben:

  • 45 Kilowattstunden (netto) mit 330 Kilometer Reichweite
  • 58 kWh (netto) mit 420 Kilometer Reichweite
  • 77 kWh (netto) mit 550 Kilometer Reichweite

Die größte Nachfrage erwartet VW bei der mittleren Reichweite. Auch der Seat el-Born wird zunächst in dieser Konfiguration angeboten. Ein Batteriepack von 62 Kilowattstunden Kapazität reicht laut Seat für bis zu 420 Kilometer Reichweite nach WLTP-Zyklus. Moment mal, 62 kWh? Ja, denn die Spanier rechnen mit dem Bruttowert. VW nennt hingegen die Netto-Kapazität, also den nutzbaren Bereich des Akkus. Einige Prozent der Kapazität bleiben ungenutzt, um die Batteriezellen zu schützen und damit die Lebensdauer zu verlängern. 

Laut Seat ist das System im el-Born auf eine Ladeleistung von 100 kW ausgelegt, wodurch die Batterie in nur 47 Minuten auf 80 Prozent aufgeladen werden kann. Mit der Wärmepumpe des Fahrzeugs lässt sich der Verbrauch der Elektroheizung senken, wodurch die Reichweite um 60 Kilometer gesteigert werden kann. VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann drückt sich mit Blick auf den ID.3 anders aus: "Während einer 30-minütigen Kaffeepause lädt das Modell mit der kleinsten Batterie 100 kWh Strom für mindestens 260 Kilometer nach."

Technische Grundlage für den ID.3 ist der Modulare Elektrobaukasten (MEB). Ob es neben Hinterradantrieb (von VW bestätigt) auch ein Allradsystem gibt, wird wohl erst zur offiziellen Weltpremiere auf der IAA im September 2019 bekannt gegeben werden. Erst dann folgen auch Daten zur Leistung der Elektromotoren. Gerüchten zufolge erlaubt die Plattform:

  • bis zu 150 kW (204 PS) an der Hinterachse
  • bis zu 80 kW (109 PS) an der Vorderachse

Seat wird schon konkreter: Beim el-Born beträgt die Motorleistung bis zu 150 Kilowatt gleich 204 PS, in rund 7,5 Sekunden soll der Wagen auf 100 km/h beschleunigen.

Marktstart und Preis

Lassen wir noch einmal Jürgen Stackmann zu Wort kommen: "Beim ID.3 wird der Startpreis des Serienmodells wie versprochen in Deutschland unter 30.000 Euro liegen. Bei der Sonderedition liegen wir in Deutschland unter 40.000 Euro. Dafür haben wir eigens eine Sonderedition kreiert, den ID.3 1ST. Toll konfiguriert und exklusiv auf 30.000 Fahrzeuge begrenzt. Für die kommenden Jahre planen wir, durchschnittlich 100.000 ID.3 an Kunden auszuliefern - vielleicht werden es auch mehr." 

Gänzlich uneigennützig legt VW die Sonderserie des ID.3 natürlich nicht auf: Durch die Beschränkung auf drei fest ausgestattete Varianten kann man die Produktion ab Ende 2019 in Zwickau einfacher hochfahren. Erst später kommt die Komplexität mit verschiedenen Akkugrößen und freier Zusammenstellung der Extras. Ähnlich wie beim Tesla Model 3 dürfte auch im Fall des VW ID.3 das Basismodell (wir tippen auf 29.990 Euro in Deutschland) mit deutlicher Verzögerung kommen. Denn klar ist auch: Je größer der Akku und je mehr Ausstattung, desto eher verdient VW noch etwas an dem Fahrzeug.

Und der Seat? Auf den Markt kommt er laut offizieller Pressemitteilung "voraussichtlich 2020". Man ist also in dieser Hinsicht noch vorsichtig. Herauslesen könnte man hieraus: Sollte der VW ID.3 laufen wie geschnitten Brot, wird erstmal seine Nachfrage bedient und der el-Born tröpfelt in homöopathischen Mengen vom Band. Preislich dürfte der Seat el-Born analog zu anderen Produkten der Marke den VW leicht unterbieten. 

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