© ORF/Thomas Ramstorfer

Leitartikel
05/06/2021

Wohin jetzt?

Die Frage, ob Alexander Wrabetz der Geeignete für den Job als wiedergewählter General ist, lässt sich nicht beantworten.

von Philipp Wilhelmer

Okay, Alexander Wrabetz will zum vierten Mal Generaldirektor des ORF werden. Das mag man als leicht fantasielose Art der Lebensplanung abtun, aber das Rennen um die ORF-Wahl im August ist offiziell eröffnet. Am Donnerstag machte der Langzeitgeneral also seine bereits für Jänner angekündigte Ansage darüber, ob er sich wieder für den Chefsessel bewerben wird.

Die Frage, ob er die geeignete Person für den Job ist, lässt sich leider nicht beantworten. Die Herausforderungen, die auf das Unternehmen warten, sind mannigfaltig. Aber das gilt für alle Medienhäuser. Nachdem der ORF öffentliches Gut ist, wäre es Aufgabe der Medienpolitik, eine Strategie zu entwerfen. Die blieb die Regierung Kurz II (wie alle anderen vor ihr) bisher schuldig.

Die lose Überschrift „Digitalisierung“ beantwortet nämlich noch nicht die Frage, was damit gemeint sein soll: Will man den ORF wirklich auf Jahrzehnte nachhaltig machen, braucht es bereits seit vorgestern entsprechende entschlossene Kraftanstrengungen von Leuten, die etwas davon verstehen.

Und es braucht – auch hier: Hallo Gesetzgeber! – mehr rechtliche Möglichkeiten für den ORF, sich im Internet zu bewegen. Der angekündigte „ORF-Player“ wird nur dann ein Erfolg werden, wenn es dem Haus auch erlaubt sein wird, diesen mit neuen, eigenständigen Inhalten zu befüllen, statt wie bisher das TV-Programm einzukippen. Das hat durchaus seine Berechtigung, wird aber rein formal nie mit jenen Inhalten Schritt halten können, die online only für Youtube, Netflix und Co. erstellt worden sind. Andere Mediengattungen brauchen eben andere Darreichungsformen.

Kann Wrabetz diesen Prozess meistern? Möglich wäre es. Aber ist das schon ein Argument für ihn?

Und falls ja: Wird er den medienpolitischen Auftrag und die dazugehörigen Gesetzesänderungen bekommen? Lässt man die notwendige konsequente Digitalisierungsstrategie schleifen, spekuliert man darauf, dass das gute, alte Fernsehen noch zehn bis 15 Jahre relevant bleibt und die Bedeutung des ORF in naher Zukunft verglimmt. Andere Medienhäuser hätten sicher nichts dagegen, sich von einem neu verteilten Kuchen etwas abzuschneiden. Wir nehmen gern ein Stück, aber die Frage darf erlaubt sein: Gilt das schon als Strategie?

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass es ein Ärgernis ist, die Frage, ob Wrabetz es denn kann, überhaupt stellen zu müssen. Es ist unbestritten, dass eine Alleingeschäftsführung für ein Unternehmen dieser Größe nicht mehr zeitgemäß ist. Zukunftsgerichtete Medienpolitik müsste längst dafür gesorgt haben, ein Management-Board mit geteilter Verantwortung einzuführen. Das wäre eine klare Zielsetzung. Also: Wohin jetzt?

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