© Kurier

Meinung
10/03/2019

Wen würde eigentlich Bruno Kreisky wählen?

Die SPÖ scheint in ganz ungesunder Weise in ihrer eigenen Vergangenheit verhaftet zu sein.

von Christoph Schwarz

Bruno Kreisky würde heute HC Strache wählen“, rief der mittlerweile gefallene FPÖ-Chef im Vorjahr in die jubelnde blaue Menge. Ein Kult-Zitat. Dass er damit recht hatte, ist zwar nicht anzunehmen. (Ziemlich sicher würde Bruno Kreisky auch heute noch SPÖ wählen.) Das Problem der Sozialdemokratie ist aber auch ein ganz anderes: Vielmehr ist es nämlich so, dass Bruno Kreisky bald der Einzige sein könnte, der die SPÖ noch wählen würde.

Tatsächlich scheint die Partei in ganz ungesunder Weise in ihrer eigenen Vergangenheit verhaftet zu sein. Zuletzt verging kaum eine Wahlkampfveranstaltung, bei der nicht früher oder später der rote Sonnenkanzler bemüht wurde. Damals, da war man noch wer! (Vielleicht nicht verwunderlich, wenn die besten Wahlkampf-„Helfer“ der roten Parteichefin Franz Vranitzky und Alfred Gusenbauer hießen.)

Es ist aber mehr als harmlose Nostalgie, die sich da breitmacht. Der Eindruck, dass die SPÖ den Problemen der Gegenwart mit Politik im Stile der 1970er zu begegnen versucht, drängt sich selbst Wohlmeinenden auf. Die historische Wahlniederlage spricht für sich.

Was die SPÖ bräuchte, ist eine radikale Neuorientierung. (Wie es klappen kann, hat ausgerechnet Sebastian Kurz bei der ÖVP vorgemacht.) Dass sie genau das Gegenteil tut, überrascht fast nicht: Mit Doris Bures als Schatten-Parteichefin und dem erfolglosen Wahlkampfmanager Christian Deutsch als Geschäftsführer begibt sich die Partei geradewegs zurück ins „System Werner Faymann“. Die vorlaute Parteijugend sperrt man sicherheitshalber aus.

In die Ära Faymann fallen übrigens 18 rote Wahlniederlagen.

Und Bruno Kreisky ist seit 29 Jahren tot.