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Meinung
08/05/2019

Was den Mörder von Texas mit dem IS verbindet

Kämpfer im höheren Auftrag: Der ideologische Hintergrund des Terroristen von Texas ist global

von Konrad Kramar

„Amokläufer“, „einsame Wölfe“ nennt man gemeinhin jene Massenmörder, deren Bluttaten Amerika in diesen Tagen wieder erschüttern. Rituell folgt dem Morden eine Debatte über schärfere Waffengesetze, die politisch so kurzlebig ist wie ihre Vorgänger. Doch das jüngste gezielt gegen Latinos gerichtete Attentat wirft ein Schlaglicht auf eine Ideologie, die sich in Teilen der US-Bevölkerung immer tiefer festsetzt: die hasserfüllte Ablehnung von Zuwanderung aus dem Süden, die man als Bedrohung für die eigene Kultur und Lebensart betrachtet.

Der Mörder von El Paso sah sich als Kämpfer für eine Überzeugung, der – wenn auch vorerst gewaltfrei – viele Amerikaner anhängen. Die Pamphlete und Verschwörungstheorien, die er las und über das Internet mit Gleichgesinnten teilte, sind über soziale Medien längst massenwirksam. Nicht nur in den USA, auch in Europa gehen die Hetzschriften vom Kulturkampf um, tauchen schließlich in den Internet-Auftritten rechtspopulistischer Politiker von Matteo Salvini bis zur FPÖ um, die sich ja gerade wieder einmal mit ihren Nazi-Wurzeln abmüht. Über Jahre haben westliche Sicherheitsbehörden die Spur des islamistischen Terrors von den Tätern zu deren Chefideologen in den Moscheen zurückverfolgt. Doch auch vom Massenmörder in El Paso führt die Spur zu rechtsextremen Ideologen, die den Kampf der weißen Rasse verkünden. Und wie die Islamisten wollen auch diese Hassprediger mit den Bluttaten, die im Namen ihrer Ideen geschehen, nichts zu tun haben. Gerade in Österreich verlangt uns die Geschichte ab, auch scheinbar unwichtige Querulanten ernst zu nehmen. Denn die Hinterzimmer, in denen sie sich heute versammeln, haben über das Internet eine offene Tür in die Welt.