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Gastkommentar
09/18/2020

Ursula von der Leyen: Wagen wir den Wandel!

Die Präsidentin der Europäischen Kommission über die Gestaltung der Zukunft Europas.

In der gesamten Menschheitsgeschichte waren Pandemien prägend. Sie lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen und erinnern uns daran, wie wichtig die einfachsten Dinge des Lebens sind. Pandemien geben uns auch die Chance, unsere Zukunft neu zu gestalten.

Für Millionen von Menschen sind die vergangenen Monate eine schmerzvolle Zeit gewesen – das ist keine Frage. Wir müssen wachsam bleiben, denn in einigen Teilen Europas steigen die Infektionszahlen wieder. Doch zugleich haben uns die vergangenen sechs Monate viel gelehrt – etwa den Wert, Teil einer Union von 27 Nationen zu sein, die sich aufeinander verlassen können, wenn es hart auf hart kommt.

Wir haben die Chance, gestärkt aus dieser schweren Zeit hervorzugehen. Die historische Einigung auf NextGenerationEU – unseren 750 Milliarden Euro schweren Aufbauplan – zeigt, dass dies möglich ist. Nie zuvor hat Europa so geschlossen gehandelt. Es ist an der Zeit, diese Dynamik zu nutzen, um auch in anderen Bereichen vorwärts zu kommen. Zum Beispiel bei der Migration. Das ist ein Thema, das Europa zu lange entzweit hat, und das, davon bin ich überzeugt, gemeinsam bewältigt werden kann und muss.

Neues europäisches Migrationspaket

Wie ich in meiner Rede zur Lage der Union angekündigt habe, wird die Europäische Kommission in den nächsten Tagen ein neues europäisches Migrationspaket vorlegen. Es beruht auf einem menschlichen und menschenwürdigen Ansatz. Wir müssen eine gemeinsame und konstruktive europäische Lösung sicherstellen. Die Grundlagen sind Solidarität – sowohl innerhalb Europas als auch mit den Flüchtlingen – und die gemeinsame Verantwortung der Regierungen unserer Mitgliedstaaten. Migration wird für uns ein Thema bleiben. Wir müssen sie mit all ihren Herausforderungen und Chancen möglichst gut steuern.

Dies ist der Moment, um Europa wieder auf die Beine zu bringen. Mit NextGenerationEU haben wir die finanziellen Mittel, die wir für rasche und strategische Maßnahmen brauchen. Wir haben die Chance, mehr zu erreichen als eine reine Sanierung unserer Wirtschaft: Wir können für mehr Lebensqualität in der Welt von morgen sorgen. Mit dem europäischen Green Deal haben wir uns das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Damit das gelingt, schlagen wir jetzt vor, die Emissionen bis 2030 nicht wie bisher geplant um 40 Prozent, sondern um mindestens 55 Prozent zu senken. Das ist ein großer, ein ambitionierter Sprung, doch er ist realistisch und kommt unserer Wirtschaft zugute.

Der Green Deal ist mehr als ein Umwelt- oder Wirtschaftsprojekt: Er muss auch ein neues Kulturprojekt für Europa werden. Deshalb möchte ich, dass die EU ein neues europäisches Bauhaus schafft, inspiriert von der vor einem Jahrhundert gegründeten Kunstschule, die Form und Funktion miteinander verbunden hat. Dies ist nur ein kleiner Teil der Arbeit, die vor uns liegt. Wir müssen die Dinge beherzt angehen. Das gilt für die Schaffung einer stärkeren Europäischen Gesundheitsunion ebenso wie für unser Ziel, dass Arbeit sich für alle lohnt. Packen wir es an und sorgen wir dafür, dass wir aus dieser schweren Zeit der Pandemie in eine bessere Zukunft gehen.

Ursula von der Leyen ist Präsidentin der Europäischen Kommission.

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