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© Kurier

Meinung
02/24/2020

Und jetzt zum Italiener!

Sicherheitsvorkehrungen gegen die Ausbreitung des Virus sind wichtig. Aber zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

von Gert Korentschnig

Das Coronavirus ist schon bei uns – alles andere wäre eine naive Wunschvorstellung. Irgendeine Österreicherin, irgendein Österreicher, vielleicht auch ein Tourist, der sich gerade in Österreich aufhält, trägt es in sich. Sie (oder er) ist der österreichische „Patient 0“. Er (oder sie) weiß es nur höchstwahrscheinlich noch nicht.

Nun können wir uns vor jedem Menschen fürchten, dem wir auf der Straße begegnen und der sich, hinterhältigerweise ausgerechnet neben uns, die Nase putzt. Oder wir versuchen, das Thema rational zu betrachten.

Rational heißt in diesem Fall: Keine Panik! Das Coronavirus ist nicht wesentlich ansteckender als Influenza. Die Mortalitätsrate ist nach jetzigem Wissensstand nicht zwingend höher als bei einer heftigen Grippewelle. Die Gefahr, dass wir an Corona sterben, ist also relativ gering (wahrscheinlichkeitsmäßig im Bereich eines Lottosechsers angesiedelt). Und nur ganz nebenbei: Wo waren die Tausenden BSE-Toten, die wir einst befürchtet hatten? Und kennen Sie jemanden, der an Vogelgrippe erkrankt ist?

Dennoch ist es wichtig, Vorkehrungen zu treffen, die Epidemie, Pandemie oder was auch immer das ist, was uns gerade beschäftigt, so rasch wie möglich einzudämmen. Und sich für einen Ausbruch zu rüsten – rüsten, was für ein Wort aus dem Militärbereich, vermutlich ist Coronaabwehr zurzeit sogar die wichtigste Rüstungsindustrie. Ist ja kein Wunder bei einem so mächtigen Feind, der sogar die Weltmacht China lahmlegt.

Dass nun auch in Italien höchster „allarme“ herrscht, ist angesichts vieler Infizierter und einiger Toter kein Wunder – vor allem dann nicht, wenn man die italienische Seele und den Hang zum Dramatischen kennt. Nüchterne Beobachter sprechen aber schon von „follia“ statt vom Virus, also von einer grassierenden Verrücktheit. Das Problem an Corona ist ja vor allem ein psychologisches. Das sieht man auch an sehr nervösen Fieberkurven an den Börsen, an Hamsterkäufen, Reisewarnungen etc. Mit Corona lässt sich hervorragend Angst erzeugen – auch ein Fehler der Medien, die auf Aufklärung setzen müssten.

Mittlerweile wird sogar über Grenzschließungen diskutiert, wie inmitten der Flüchtlingskrise. Dabei reist das Virus ganz gut ohne Pass und stellt keine Asylanträge. Zur Stimmungsmache eignet es sich dennoch ebenso. Wie absurd ist es, dass Chinesen in Wien schief angeschaut werden. Wie irre war es, als zuletzt in der Ukraine ein Bus mit 72 Heimkehrern aus Wuhan mit Steinen beworfen wurde. Die Angst vor dem Virus ist primär auch die Angst vor dem Unbekannten. Daher: Alles gegen Corona, aber noch mehr gegen das höchst infektiöse psychische Virus. Und insgesamt mehr Gelassenheit, am besten bei einer Pizza Diavolo.

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