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Meinung
10/08/2019

Springt über euren Schatten!

Koalitionsverhandlungen sind eine Chance, Gemeinsamkeiten zu finden und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

von Martina Salomon

Wäre jetzt – nach der Wahl und bevor es dann in den Koalitionsverhandlungen ans Eingemachte geht – nicht etwas so Altmodisches wie Versöhnlichkeit angesagt? Könnte man in der ersten und zweiten Reihe der Politik nicht zueinander sagen: „Wir haben einen furchtbar anstrengenden Wahlkampf hinter uns, der Wunden geschlagen hat. Schwamm drüber. Wir sind es gewohnt, am Pranger zu stehen, von Trollen verfolgt zu werden und auch noch für den billigsten Kabarett-Gag herhalten zu müssen. Aber wir wollen in diesem Land wirklich etwas weiterbringen.“

Dazu braucht es Machtinstinkt, Streitlust, Standfestigkeit, dicke Haut, eine gewisse Grundintelligenz und eine Vision, die über die eigene Nasenspitze hinausreichen sollte. (Zugegeben, oft fehlt leider die eine oder andere Eigenschaft – was dann auch den Keim des Scheiterns birgt.)

„Muff’nsausen“ vor Kurz

Demnächst werden wohl wieder zwei (oder mehr) Parteien koalieren. Aber gerade jene, die das türkis-blaue Schreckgespenst an die Wand malen, zieren sich nun, weil sie der türkisen „Schnöseltruppe“ (Originalzitat Werner Kogler) misstrauen. Oder geht den Roten und den Grünen die „Muff’n“ vor Kurz, wie der grüne Altpolitiker Karl Öllinger im ORF-Sonntagabend-Talk salopp meinte? Vielleicht muss sich umgekehrt auch Kurz fürchten, weil er Gefahr läuft, keine funktionstüchtige Regierung zusammenzubringen.

In Wahrheit aber sind Koalitionsverhandlungen immer eine Chance zur Annäherung. So, wie Andreas Khol und Terezija Stoisits in unseren KURIER-Zwiegesprächen am Sonntag übereinstimmend erklärten, bei den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen 2003 in vielem einig gewesen zu sein. ÖGB-Boss Wolfgang Katzian sagte im rot-türkisen Gespräch: „Man muss aufeinander zugehen und das Verhalten wie im Kindergarten ablegen.“ Martin Bartenstein (Minister unter Schwarz-Blau) wies darauf hin, dass Heinz-Christian Strache immerhin die braunen Flecken in der Partei beseitigen wollte.

Versöhnliche Signale, die es öfter geben sollte. Und, nein, niemand muss in der Politik „Wir haben uns alle lieb“ spielen. Das wäre lächerlich. Aber es haben sich schon vor diesem Wahlkampf zu viele Aggressionen aufgestaut. Das wiederum untergräbt die Glaubwürdigkeit der Politik. Gerade hat die neue Jugendwertestudie ergeben, dass 80 Prozent der Aussage zustimmen: „Die meisten Politiker haben keine Ahnung, wie es den meisten Menschen geht.“ Ein Alarmsignal!

Die bevorstehenden Verhandlungen werden zeigen, wo man zusammenfindet – und wo nicht. Aber nur, wenn man sie jetzt einmal ohne Ressentiments beginnt. Springt über euren Schatten!

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