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Meinung
08/31/2019

Mit Klimaschutz gegen Geisterstädte

Eine Abkehr vom Fetisch Auto birgt für Kleinstädte im ländlichen Raum die Chance auf eine Wiedergeburt.

von Daniela Kittner

Wenn man das Statement der drei Herren kurz zusammenfasst, sagen sie Folgendes: Unsere Politiker begreifen die Klimaproblematik nicht oder wollen sie nicht begreifen. Und falls sie tätig werden, beschränken sie sich auf populistische Symbolpolitik.

Bei den drei Herren, die mit dem zitierten Schreiben an die Öffentlichkeit gingen, handelt es sich um Österreichs Gurus für Nachhaltigkeit und Klimaforschung: die Universitätsprofessoren Stefan Schleicher, Reinhold Lang und Karl Steininger. Letzterer hat am Donnerstag in der ZIB2 beeindruckend erklärt, warum der Klimaschutz nicht Einzelmaßnahmen, sondern einen ganzheitlichen Systemwechsel erfordere.

Im Wahlkampf dreht sich das Klimathema bisher hauptsächlich um die Frage Pro oder Contra CO2-Steuer. Doch das greift viel zu kurz.

Bleiben wir beim Verkehr. Auf dem Land werden die Züge auch bei noch so gutem Ausbau der Bahn leer bleiben, solange man beim Aussteigen aus dem Zug in Geisterstädten landet. Die Bahnhöfe befinden sich zwar in den Stadtzentren, aber die Zentren sind leer. Geschäfte, Kinos und andere Dienstleister wurden an die großen Straßen an die Stadtränder gebaut. Alles richtet sich nach dem Auto statt nach den Menschen.

Wer für die Bevölkerung auf dem Land etwas tun will, sollte den Klimaschutz dazu benutzen, um die Lebensqualität zu heben, zum Beispiel, indem unsere verödenden Barockstädtchen wieder zum Raum werden, in dem sich Menschen wohlfühlen. Wo Kinder in den Straßen spielen, Senioren auf Bänken sitzen, wo man sich trifft, „etwas los ist“, sodass auch Jugendliche nicht abwandern müssen, um Gesellschaft zu finden.

Eine neue Raumordnung ist eine der wichtigsten Aufgaben für die nächste Bundesregierung. Manche Bundesländer sind bereits am Werk, aber der Bund sollte sich mit Vorgaben einbringen. Die Raumordnung nimmt derzeit keine Rücksicht auf Boden- und Energieverbrauch, sondern wirkt wie ein Treibsatz für Verschwendung.

Erneuerbare Energien nicht endlos verfügbar

Reden wir auch über die Industrie. Professor Steininger sagt, die Politik habe nicht verstanden, dass sie sich um die Rahmenbedingungen für die Versorgung mit erneuerbarer Energie kümmern muss. Aus welcher Quelle kommt sie? Wer bekommt was – Verkehr, Industrie? Auch erneuerbare Energien sind nicht endlos verfügbar. Österreichs Volkswirtschaft werde international nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie den Umstieg auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft schaffe.

Übrigens: Die FPÖ-Idee, alte Autos einfach durch schadstoffärmere neue zu ersetzen, ist laut dem Professor ein Paradebeispiel für mangelnden Sachverstand.