Einsteigen für Fortgeschrittene

Einsteigen für Fortgeschrittene
Noch immer sind alte S-Bahn-Züge im Einsatz. Das macht den Menschen das Leben schwer.
Katharina Salzer

Katharina Salzer

Altersfrage. Wenn auf der Vorortelinie in Wien eine blau-weiß-lackierte Schnellbahn einfährt, gibt es zwei mögliche Gefühlszustände.

Erstens: nostalgisch. Weil man in diesen Garnituren schon als junges Mädchen zur Reitstunde ins Weinviertel getingelt ist. Und das ist lange her.

Zweitens: verärgert. Weil es doch nicht sein kann, dass diese Züge noch immer unterwegs sind. Über die hohen Stufen hinein- und wieder hinauszukommen ist selbst bei einem Muskelkater eine Herausforderung. Ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten, Kinderwagen, Rollstühle und großes Gepäck oder sich selbst mit Krücken ins Innere zu bekommen. Vor Kurzem war eine Frau mit einem Mädchen unterwegs, das auf einen Rollstuhl angewiesen war. Sie war daher von Hilfe abhängig. Die wurde ihr auch zuteil. Alle Beteiligen gerieten in Schwitzen.

Ausgemustert. Eine gute Nachricht: Diese Triebwagen werden sukzessive ausgemustert. Aber eigentlich sollten sie seit 2020 im Wiener Raum nicht mehr unterwegs sein. Es kam anders.

Apropos Hürden. Eine alte Dame wollte aus einer alten Straßenbahn aussteigen. Damit sie das bewältigen konnte, drehte sie sich um. Stieg also mit dem Rücken voran aus. Ein junger, sehr hilfsbereiter Mann glaubte aber, sie wollte einsteigen – und schupfte sie wieder ins Innere zurück. Ihr Protest kam zu spät.

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Katharina Salzer

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