Coronavirus - Offene Grenze nach Österreich

© APA/dpa/Angelika Warmuth / Angelika Warmuth

Leitartikel
03/19/2021

Liebe Deutsche, ihr macht es uns schwer

Dem großen Nachbarn nacheifern? Keine gute Idee: Vom Testen über den Maskenskandal bis hin zur Infrastruktur gibt es Probleme.

von Martina Salomon

Ist der große Nachbar eigentlich noch Vorbild? Bei aller Sympathie für die Deutschen, derzeit machen sie es einem schon ziemlich schwer. Siehe die Groteske um Astra Zeneca: Obwohl bereits Millionen Briten erfolgreich mit dem britisch-schwedischen Stoff geimpft wurden, entschied sich der deutsche Gesundheitsminister nach einigen (wenigen) Thrombosefällen fürs Aussetzen. Um jetzt mit einem Warnhinweis im Kleingedruckten weiter zu impfen. Das Image des Impfstoffes ist damit in der EU ramponiert. Dabei war klar, dass das Risiko, ungeimpft an Corona zu erkranken und zu sterben, weitaus größer ist. (Abgesehen davon hätte man längst genauso gut Abermillionen Frauen viel stärker vor der Pille warnen müssen, oder?)

Beim Testmanagement kann Österreich sogar als Vorbild für Deutschland durchgehen. Liebe Nachbarn, das habt ihr gar nicht gut auf die Reihe gekriegt! Und wir haben zwar angesichts der kriminellen Energie bei der Maskenproduktion in der „Hygiene Austria“ wirklich keinen Grund über andere zu ätzen: Aber der deutsche Maskenskandal, bei dem sich offensichtlich mehrere CDU-Abgeordnete bereichert haben, ist eher kein Renommee.

Selbst beim Impfen ist das österreichische Schneckentempo momentan noch schneller als das deutsche. Vergleichsweise nicht gut steht Österreich hingegen bei den Fallzahlen da (was – siehe oben – zum Teil auch mit der stärkeren Durchtestung zu tun haben könnte). Beide Länder mäanderten bei der Sieben-Tage-Inzidenz, ab der es Lockerungen geben könnte, herum. Die Deutschen lizitierten sich weit nach unten. Angela Merkel strebte 35 an, manche sogar null. Faktum ist: Jetzt beträgt sie 95, Tendenz steigend. Dennoch gab es mehr Freiheiten. Inzwischen haben manche deutsche Bundesländer bereits höhere Werte als Tirol, wo die Deutschen bis jetzt auf schikanösen Grenzkontrollen bestehen und selbst das „kleine deutsche Eck“ blockieren. Der bayerische Ministerpräsident Söder gibt den Muskelprotz – sicher auch, um im Kanzlerkandidaten-Wettstreit Starker-Mann-Qualitäten zu zeigen. Und, nein, das hier ist kein Versuch einer Reinwaschung Tirols. Dessen Vertreter hätten nicht ungeschickter agieren können.

Sollten wir Deutschland wenigstens abseits von Corona nacheifern? Lieber nicht. Der Föderalismus ist hie wie da in der Pandemie ein Problem. Die angebliche Energiewende in Deutschland führt zu höchsten Preisen und instabilen Netzen. Der Berliner Mietpreisdeckel hat das Angebot verknappt und die Preise erhöht. Selbst die Infrastruktur ist für ein so reiches Land erstaunlich heruntergespart. Das zeigt eine simple Fahrt übers große deutsche Eck. Wehe, Sie stranden zum Beispiel in einem Ort mit dem sprechenden Namen „Übersee“: Ihre Hoffnung auf „Seenot“-Rettung wird vergeblich sein, Sie befinden sich dort im kompletten Funkloch.

Martina Salomon
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