EU-Plan gegen das teure Öl

Die Union hat das Klimaziel für 2040 fixiert. Die Kraftanstrengung ist gewaltig, angesichts der Auswirkungen des Iran-Kriegs aber lohnend.
Bernhard Gaul
Tankstelle

Seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung in Nahost ist der Ölpreis um 20 Prozent gestiegen, seit Anfang Dezember sogar um 48 Prozent. Diesel kostet in Österreich mancherorts bereits über zwei Euro. In Brüssel wurde der Energie-Krisenstab aktiviert, in Österreich lässt Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Preissteigerungen an den Tankstellen prüfen. Komplexitätsforscher Peter Klimek sieht durch die kriegsbedingte Sperre der Straße von Hormus am Golf noch keine direkten, aber indirekte Auswirkungen auf die Versorgung mit Öl, Gas und weiteren Gütern für Europa.

Wenig beachtet bis verschwiegen wird da gerne die eigentliche Antwort der Europäer: Die EU-Mitgliedstaaten haben in der vorigen Woche das Klimaziel für 2040 final beschlossen. Demnach sollen die Treibhausgasemissionen der Staatengemeinschaft bis 2040 formal um 90 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 sinken.

Minus neunzig Prozent Treibhausgase heißt auch: Die europäischen Volkswirtschaften müssen alles ändern, damit alles gleichbleiben kann – kein Heizöl, Benzin, Diesel, Erdgas. Dass sich kaum jemand heute vorstellen kann, wie das Leben damit im Jahr 2041 aussehen wird, ist absurderweise Schuld der Politik, die dieses gewaltige Klimaziel beschlossen hat. Hätten Sie bemerkt, dass ein Regierungsmitglied Tacheles redet, was alles bei uns jetzt sofort angegangen und umgestellt werden muss?

Den Bremsern bleibt jetzt nur noch die Hoffnung, dass dieser Beschluss, wie so vieles vom Green Deal seit 2024, wieder aufgehoben, abgeändert, verwässert oder gleich ganz gelöscht werden wird. Aufzeigen tut da bisher nur die FPÖ.

Tatsache ist: Beschlossen wurde also nichts weniger als das Ende von Öl und Gas in Europa. Es gibt ja schon lange kein vernünftiges Argument, warum wir nicht alle technologischen Möglichkeiten voll ausnützen und so viel nachhaltige Energie wie nur irgendwie möglich selber produzieren sollen. Mit einem Ende von Öl und Gas in der EU kann es uns dann egal sein, wie sich die Energiemärkte der Welt entwickeln, welche Höhenflüge der Ölpreis macht und welche Auswirkung das auf unsere Teuerung hat. Europa produziert dann seine eigene Energie. Wir Österreicher würden am Ende auch keine zehn Milliarden (und zuletzt auch viel mehr) Euro jährlich an dubiose Ölstaaten wie Kasachstan, Libyen oder Irak zahlen, und auch die Ölkumpels von US-Präsident Trump, die uns seit Kurzem mit teurem Fracking-LNG-Gas versorgen, würden durch die Finger schauen.

14 Jahre mögen für uns Bürger eine lange Zeitspanne sein. Industriekonzerne müssen heute entscheiden, was in 14 Jahren ihre Fabrik verlässt. Derzeit haben alle die Sicherheit, welche Investitionen getroffen werden müssen.

bernhard gaul, kurier

Kommentare