Kurssturz bei Gold und Silber: Vom sicheren Hafen zum Spekulationsobjekt

Goldbarren liegen vor einem Diagramm auf dunklem Grund.
Die "Metallschmelze" an der Börse offenbart ernüchternde Erkenntnisse. Was Kleinanleger daraus lernen können.
Anita Staudacher

Anita Staudacher

Wie gewonnen, so zerronnen: Die aberwitzige Kursrallye der Edelmetalle Gold und Silber fand am Wochenende ein abruptes Ende. Auch mit dem Kurs von Bitcoin sowie anderen Krypto-Assets ging es steil bergab. Den euphorischen Schlagzeilen des Höhenfluges folgten am Montag aufgeregte Absturz-Meldungen und erste Crash-Warnungen. Was ist da passiert? Nur Gewinnmitnahmen oder steckt da vielleicht mehr dahinter? 

Tatsächlich gab es so krasse Kursverluste bei den ansonsten langweiligen Veranlagungen schon seit Jahrzehnten nicht mehr, bei Silber überhaupt noch nie. Kein einziger Analyst hatte erwartet, dass die Nominierung eines neuen Notenbank-Chefs in den USA einen Herdentrieb auslöst und die globalen Finanzmärkte binnen Stunden derart umkrempeln kann. Ein beunruhigendes Zeichen dafür, wie stark die Märkte inzwischen auf politische Signale und Ereignisse im Umfeld der Zentralbanken reagieren.

Goldpreis

Auch wenn sich die Kurse schon am Montag wieder beruhigten, bleiben für Kleinanleger doch zumindest drei interessante Erkenntnisse:

Erste Erkenntnis: Auch vermeintlich sichere Häfen schützen nicht vor Sturmböen. Viele Private suchen bei der Geldanlage nach Alternativen, weil das Sparbuch oder klassische Veranlagungen wenig Rendite bringen. Gold und Silber werden gerne als Schutzwall vor geopolitischen Risiken empfohlen, weil sie weniger schwankungsanfällig als Aktien sind. Doch an den Märkten haben längst Spekulation und algorithmischer Hochfrequenzhandel die Oberhand über fundamentale Werte gewonnen. Auslöser für unvorhergesehene Panikverkäufe kann es jederzeit wieder geben.

Zweite Erkenntnis: Bitcoin, fälschlicherweise bereits als „digitales Gold“ oder alternatives Investment zur Beimischung im Portfolio angepriesen, ist nichts anderes als neues, künstlich geschaffenes Spielgeld im globalen Finanz-Casino. Risiko pur ohne Sicherheitsnetz. Hohe Kursausschläge nach oben und nach unten sind bei diesem Finanzinstrument nicht außergewöhnlich, sondern Teil des Spieles. Weil die internationale Finanzwelt immer stärker mitspielt, steigt das Systemrisiko, vor dem Notenbanken seit Jahren warnen. Die EU versucht zumindest, das Krypto-Monster mit Regeln irgendwie einzufangen, doch die USA setzen massiv dagegen. Ausgang des Spiels ungewiss.

Dritte Erkenntnis – und ewige Binsenweisheit: Geduld ist der beste Anlageberater. An der Börse wird ein Vermögen eher mit dem Hintern als mit dem Kopf gemacht. Oder wie es US-Investorenlegende Warren Buffett formuliert hat. „Erfolgreiches Investieren erfordert oft, über lange Zeiträume untätig zu bleiben“. Kurz gesagt: Aussitzen.

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