Entzug des Waffenscheins

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Gemeingefährliche Raser könnten lebenslang ihren Führerschein verlieren – dieser Vorstoß (aus der ÖVP) zeigt, dass Schnellfahren keine politische Kategorie sein sollte.
Gert Korentschnig

Gert Korentschnig

Ja, darf man denn das im Autoland Österreich?

Der Salzburger Verkehrslandesrat und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll fordert „lebenslangen Führerscheinentzug“ für Raser, wenn sie Geschwindigkeitsbegrenzungen drastisch überschreiten. Die aktuelle Gesetzeslage sieht vor, dass jemandes Auto beschlagnahmt werden kann, wenn er (und meistens ist er ein Er!) im Ortsgebiet um 80 km/h oder außerhalb um 90 km/h zu schnell fährt. Das scheint für Schnöll nicht Abschreckung genug zu sein. Aktueller Anlass für den Vorstoß zur Verschärfung sind extreme Tempoüberschreitungen in Salzburg.

Dass diese Initiative aus der ÖVP kommt, die sich zuletzt in Umweltfragen (Stichwort Verbrennermotor) stets auf die Seiten der Industrie geschlagen hat, ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Rasen abzulehnen ist keine Frage der politischen Einstellung oder sollte es zumindest nicht sein (obwohl die FPÖ die geltenden Limits immer wieder gerne nach oben schrauben würde). Wer mit 120 km/h durchs Ortsgebiet fährt, agiert gemeingefährlich und ist ein Idiot, egal wen er wählt. Die Idiotie beginnt sogar schon weit darunter.

Und selbstverständlich sind ein Lenkrad in den Händen und ein Gaspedal unter den Füßen eines solchen Menschen Waffen. Lebenslanger Führerscheinentzug ist da wie ein Waffenverbot, also völlig richtig, wenn man nicht in der Lage ist, damit umzugehen. Nicht umsonst wird ein schnelles Auto im Volksmund Geschoss genannt. Schnöll hat also recht, bekommt auch Zustimmung aus der Stadt Wien oder vom Verkehrsclub Österreich. Denn offenbar ist das Thema Rasen nur durch heftige Abschreckung in den Griff zu bekommen.

Wobei wir hier natürlich nur von einem äußerst geringen Teil der Autofahrer reden, das Problem beginnt schon viel früher. Zum Beispiel dort, wo eine 20- oder 30-prozentige Überschreitung als Kavaliersdelikt gesehen wird. Wo man beschimpft wird, wenn man versucht, einen Raser auf die Überschreitung aufmerksam zu machen. Wo das Gesetz des Stärkeren wichtiger ist als das Gebot der Vernunft.

Wer in manchen Gemeinden beobachtet, wie herumgeeiert wird, wenn sich Anrainer um vernünftige Limits bemühen, wie mit haarsträubenden Argumenten versucht wird, die Autofahrer-Lobby nur nicht um ein paar gesparte Sekunden zu bringen, dass PS wichtiger sind als die Sicherheit der Menschen, der verliert jedes Verständnis dafür, dass das Auto eine derart heilige Kuh ist. Schreibt übrigens jemand, der selbst auf ein Auto angewiesen ist und dieses gerne fährt. Leider ist aber hinterm Steuer die gleiche Radikalisierung zu beobachten wie mancherorts in der Politik. Auch da gälte: gleiten statt hetzen.

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