EINEN Kommunisten sollten wir fürchten

Eine tote Ideologie wird plötzlich in den Wahlkampf gezerrt. Wir haben freilich andere Sorgen in Europa.

Eine tote Ideologie wird plötzlich in den Wahlkampf gezerrt. Wir haben freilich andere Sorgen in Europa.

Dr. Helmut Brandstätter | über Kommunismus.

Die Wahl des Staatsoberhaupts spaltet inzwischen auch (Politiker-)Familien, schwarze jedenfalls, wie wir am Beispiel der Schmuckenschlagers zeigen (mehr dazu hier). In bürgerlichen Kreisen verfängt offenbar die FPÖ-Kampagne, dass Herr Van der Bellen Kommunist ist, war, oder zumindest sein könnte, wobei die Kommunisten-Geschichte besonders absurd ist. Die Sowjetunion ist mausetot, Nordkorea weit weg, und in China produzieren die Kommunisten täglich Millionäre. Ob eine kommunistische Partei per Diktatur für Wohlstand sorgen kann, läuft dort als offenes Experiment.

Wir sollten uns also nicht vor der Wiedereinführung einer gescheiterten Ideologie fürchten, sondern vor dem Zerfall eines erfolgreichen Modells. Die EU ist ein einmaliges europäisches Friedensprojekt, das auch für Wachstum gesorgt hat. Bei der Zerstörung der EU kommt freilich ein ehemaliger Kommunist und hoher Geheimdienstoffizier ins Bild: Wladimir Wladimirowitsch Putin. Der russische Präsident sorgt für die Finanzierung des französischen Front National, gerade weil deren Vorsitzende Marine Le Pen den Austritt Frankreichs aus der EU angekündigt hat. Putin freute sich über Trumps Wahlsieg, weil dieser Europa die Solidarität aufgekündigt hat und Putin beobachtet das Referendum in Italien am kommenden Sonntag mit fröhlicher Anteilnahme. Wenn Premierminister Matteo Renzi scheitert, kann eine Regierungskrise Banken und vielleicht sogar den Euro gefährden.

Nun kann man einwenden, dass die EU stark genug gegenüber den ökonomisch brustschwachen Russen sein müsste. Ist sie auch, obwohl gewisse Gruppen weiter ihren Vorteil in EU-Krisen suchen und finden werden.

( kurier.at ) Erstellt am 29.11.2016