Fingers art of couple celebrates Christmas. Concept of man and woman during quarrel in New Year. Couple after an argument looking in different directions. Toned image.

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Leitartikel
12/04/2020

Hochsaison für Besserwisser

Das ganze Land ist dabei, Haare in der Corona-Suppe zu finden. Die Wut ist nachvollziehbar, hilft aber nicht beim Weg raus aus der Krise

von Martina Salomon

Ab Montag kehrt ein Stück Normalität in unser Leben zurück, auch wenn Punsch-to-go wieder verboten wird, weil es ein paar Menschenansammlungen erzeugt hat. Wer dennoch auf seinen Geburtstag anstoßen will, trifft sich heimlich mit Freunden im eiskalten Park. Was für eine aberwitzige Zeit!

Auch die Debatten werden immer giftiger. Die Opposition (und manch Besserwisser, der Andersdenkenden grundsätzlich Moral und Redlichkeit abspricht) will eine politische Leich’ sehen, wie es Erhard Busek kürzlich im KURIER so treffend formulierte. Das ganze Land ist dabei, Haare in der Corona-Suppe zu suchen. Was leicht ist, weil in diesem Albtraumjahr kein Politiker auf sicherem Grund steht. Viele Maßnahmen sind objektiv ungerecht und willkürlich. Fehler sind passiert. Aktuell wird Kurz Ausländerfeindlichkeit unterstellt. Aber auch wenn die Wortwahl vielleicht nicht ganz glücklich war, führt er letztlich nur die Quarantäneregeln ein, die in Deutschland bereits gelten.

Die bereits vor Wochen veröffentlichten Grafiken des Wissenschaftsautors Tomas Pueyo, Erfinder von „Hammer and Dance“, zeigen am anschaulichsten, wie sich in Europa das Virus im Sommer vom Süden und Südosten aus wieder in Richtung Norden verbreitet hat. Die jetzigen Diskussionen darüber sind daher haarspalterisch. Um keinen dritten Lockdown zu riskieren, versucht die Regierung, den „Weihnachtscluster“ möglichst klein zu halten. Das schmerzt, ist aber vernünftig. Die Zahl der Spitalspatienten und der Todesfälle ist zu hoch. Der Lockdown kam zu spät – davor hätte der Regierung aber wohl die Glaubwürdigkeit dafür gefehlt. Hysterie wäre noch der mildeste Vorwurf gewesen. Man kann sich gut ausmalen, was geschieht, sollte die (bald kommende) Corona-Impfung für bestimmte Berufsgruppen empfohlen werden. Schon jetzt wird immer aggressiver gegen eine mögliche Impfpflicht gewettert, als ob es sie nie (Pocken!) gegeben hätte. Selbstverständlich wird man die Regierung bald auch für das riesige Loch „prügeln“, das dieser ganze Wahnsinn ins Budget reißt (gleichzeitig findet jeder, selbst viel zu wenig vom Kuchen zu kriegen).

Häme hat jetzt auch noch das digitale „Kaufhaus Österreich“ ausgelöst. Natürlich ist das ein lächerlicher Versuch, Amazon & Co. beizukommen, und es ist schon erstaunlich, welch digitaler Nachholbedarf im offiziellen Österreich herrscht. Allerdings gibt es kaum Beispiele neuer digitaler Plattformen, die vom Start weg funktioniert haben. Grundsätzlich ist ja auch diese Idee nicht ganz falsch.

Vieles an Wut, Frust, Depression in der Bevölkerung ist verständlich. Aber die Politik hat das Virus nicht erfunden, und wir kommen da nur mit vereinten Kräften raus. Man muss kein Fan dieser Regierung sein, um zu finden, dass die aktuellen Debatten derzeit zu destruktiv sind.

Martina Salomon
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