Warum sind wir beim Thema E-Mobilität eigentlich so emotional?
Bei Diskussionen rund um die E-Mobilität gibt es eigentlich nur zwei Seiten: Fans und Gegner. Geht es ums Auto, wird es sehr schnell emotional. Es ist eben mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Das Auto steht für Freiheit und die Möglichkeit, überall hinzureisen. Das lassen wir uns nicht wegnehmen! – sagen die Gegner. Betrachtet man mal nüchtern die Fakten, dann ist diese Sorge aber völlig unbegründet, denn der Umstieg von Verbrennern auf elektrische Autos ist schließlich kein Zurück zur Pferdekutsche.
Hauke Hinrichs.
Mythen um E-Autos
Diverse Mythen rund um E-Autos halten sich hartnäckig: Diese seien nur etwas für Haushalte mit eigener Ladestation, da man das Auto die ganze Nacht laden muss. Fakt ist: Das öffentliche Ladenetz in Österreich ist bereits stark ausgebaut. Mit Anfang 2026 sind insgesamt über 35.000 Ladepunkte verfügbar. An den über 4.000 Ultraschnellladepunkten dauert das Laden kaum länger als eine Kaffeepause. Was es aber braucht, um Entscheidungen für die E-Mobilität zu erleichtern, ist eine ehrliche und transparente Informationspolitik. Die neue Online-Plattform der eMOVE Austria Initiative, die Bundesminister Peter Hanke Ende Jänner vorgestellt hat, ist dafür ein wichtiges politisches Signal. Aber es braucht noch mehr: ein klares Bekenntnis zur E-Mobilität vonseiten der Bundesregierung, finanzielle Anreize für den Umstieg sowie Planungssicherheit und Förderungen. Denn die Realität zeigt uns klar: Die E-Mobilität ist längst auf der Überholspur.
Bürokratische Hürden wie beispielsweise Genehmigungen für Ladeparks müssen dringend abgebaut werden. Der Ausbau von Ladeparks an strategisch wichtigen Punkten – wie zum Beispiel Autobahnen – könnte deutlich schneller vorangehen. Damit erhalten vor allem Pendlerinnen und Pendler sowie Urlaubsreisende die Sicherheit, ihr E-Auto stets rechtzeitig laden zu können. Die Angst vor mangelnder Reichweite ist immer noch hoch, obwohl rund 99 % aller Autofahrten in Österreich kürzer als 150 Kilometer sind. Zum Vergleich: Mit den E-Autos von heute fahren Sie mit aufgeladenem Akku je nach Modell und Strecke bereits bis zu 450 Kilometer.
Preistransparenz
Um das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in die E-Mobilität zu stärken, ist vor allem eins wichtig: Preistransparenz. Ob mit deutlich sichtbaren Preistafeln wie an Tankstellen, bei der direkten Zahlung vor Ort per Kreditkarte oder digital per App – schon vor dem Anstecken muss angezeigt werden, was die Kilowattstunde kostet und die Abrechnung transparent und nachvollziehbar sein. Dies ist auch kein Luxus mehr, sondern Marktvoraussetzung, die Vertrauen in die E-Mobilität stärkt.
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen jetzt an einem Strang ziehen – mit klaren Rahmenbedingungen, leistbaren Fahrzeugmodellen, einem zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur und echter Preistransparenz. Nur so gewinnen wir das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer und machen E Mobilität zur einzig gangbaren Alternative. Nur gemeinsam können wir die Elektromobilität zukunftsfähig gestalten.
Zum Autor:
Hauke Hinrichs, CEO von SMATRICS, ein Unternehmen, das Ladeinfrastruktur anbietet und herstellt.
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