Spritpreise: Wege aus der fossilen Preisfalle
Steigen die Spritpreise an der Zapfsäule, beginnt in Österreich ein vertrautes Ritual. Die Parlamentsparteien überbieten einander mit populistischen Vorschlägen für vermeintliche Preisbremsen, ohne sich ernsthaft mit der Ursachenforschung zu beschäftigen. Tatsächlich liegt der gemeinsame Nenner jeder Energiekrise in der selbst verschuldeten Abhängigkeit von fossilen Importen, die Österreich weiterhin höchst verwundbar machen.
Allein 2025 kosteten fossile Energieimporte rund acht Milliarden Euro. Sobald die Preise auf den Weltmärkten explodieren, erhöht sich somit automatisch die Rechnung für Haushalte, Unternehmen und den Staat. Das ist freilich nicht gottgegeben, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Fehlentscheidungen. Der Lerneffekt scheint begrenzt, denn noch immer fließen bis zu sechs Mrd. Euro pro Jahr in umweltschädliche Subventionen. Schon die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hätte ein Wendepunkt sein können. Stattdessen hat die Politik das Volumen von klimakontraproduktiven Subventionen im Rahmen der „Anti-Teuerungsmaßnahmen“ von 2022 bis 2024 auf rund 17 Mrd. Euro ausgeweitet, wie das WIFO vorrechnet.
Viktoria Auer.
Kurzschlussmaßnahmen
Anstelle neuer Kurzschlussmaßnahmen sollte die Politik endlich umfassender gegensteuern und sowohl die Energiekosten als auch die steigenden Klimarisiken eindämmen. Zunächst erfordert eine echte Energiewende eine gut geplante Doppelstrategie, die vor allem beim viel zu hohen Verbrauch ansetzt und erneuerbare Energiequellen wie Speicher naturverträglich ausbaut. Jede thermisch sanierte Wohnung und jede Kilowattstunde aus Sonne oder Wind reduziert die Abhängigkeit vom Ausland und damit das geopolitische Risiko. Genauso dringend ist eine Mobilitätswende, die den fossilen Verbrauch deutlich senkt. Eine Offensive für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radwege wäre ein Gebot der Stunde. Wann, wenn nicht jetzt?
Zugleich wird angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise immer deutlicher: Auch der Schutz und die Wiederherstellung funktionierender Ökosysteme müssen zwingend Teil der Krisenvorsorge sein. Gesunde Flüsse, Wälder und Böden schützen uns vor steigenden Risiken wie Extremwettern, Hochwasserereignissen oder Dürreperioden und deren Folgekosten. Eine zukunftsfähige Politik darf daher nicht gegen die Natur arbeiten, sondern muss sie auf allen Ebenen stärken. In diesem Sinne sollten zum Beispiel eine ambitionierte Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung und ein wirksames Vorgehen gegen die Bodenversiegelung selbstverständlich sein. Genau deshalb braucht es ein ausgewogenes Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, das nicht nur – wie aktuell vorliegend – neue Kraftwerke ermöglicht, sondern auch die biologische Vielfalt erhält. Ein Gesetz, das Geschwindigkeit über Sorgfalt stellt, riskiert langfristig mehr Schaden als Nutzen.
Die Teuerung an den Zapfsäulen ist weit mehr als ein energiepolitisches Problem, sie ist eine Frage der richtigen politischen Prioritäten. Wer an fossilen Strukturen festhält, wird auch künftig übereilte Krisenpakete schnüren müssen. Wer hingegen konsequent auf Prävention, Effizienz, erneuerbare Energie und intakte Natur setzt, macht Österreich unabhängiger und krisenfester.
Zur Autorin:
Viktoria Auer ist Klimasprecherin der Naturschutzorganisation WWF, absolvierte Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement an der FH Krems.
Kommentare