Trügerische Sicherheit: Warum die FSME-Impfung wichtiger denn je ist

Fallzahlen steigen an, Zecken sind inzwischen fast ganzjährig aktiv. Der Schutz ist aber zur Selbstverständlichkeit geworden.
Marlene Auer
Der Schatten einer Zecke scheint hinter einem Blatt durch.

Es ist eine der Erfolgsgeschichten, die ihr eigenes Risiko erzeugt hat. Die FSME-Impfung hat eine gefährliche Krankheit fast aus dem Alltag gedrängt. Leider liegt darin heute auch ein Problem. Denn was wir nicht mehr sehen, unterschätzen wir. 
Vor 50 Jahren erkrankten zwischen 300 und 700 Menschen in Österreich an der Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer der schwersten Virusinfektionen des zentralen Nervensystems. Viele Verläufe waren schwer, manche sogar tödlich. Heute sind diese Zahlen deutlich gesunken, nicht, weil die Gefahr verschwunden wäre, sondern weil die Impfung wirkt. 

Die nüchternen Zahlen sprechen eine klare und eindrucksvolle Sprache. Mehr als 10.000 Spitalsaufenthalte, etwa 4000 schwere neurologische Verläufe und 80 Todesfälle konnten alleine zwischen den Jahren 2000 und 2024 verhindert werden. Das ist keine medizinische Fußnote, sondern ein Triumph der Prävention. 

Rückkehr des Risikos

Aber die FSME ist nicht verschwunden. Zecken sind heute fast ganzjährig aktiv, längst nicht nur mehr im „Frühsommer“. Gleichzeitig steigen die Fallzahlen wieder an. 2025 mussten 132 Menschen stationär behandelt werden, und jeder zweite Verlauf war schwer. Noch deutlicher wird das Muster hinter den Zahlen. Rund 85 Prozent der Erkrankten sind nicht geimpft, weitere 12 Prozent nicht ausreichend geschützt. Die Krankheit trifft also nicht zufällig. Sie folgt der Logik: Wer nicht geschützt ist, trägt das Risiko. 

Österreich gilt als Musterland der FSME-Impfung mit einer Durchimpfungsrate von 80 Prozent. Doch genau hier beginnt die Selbstverständlichkeit. Auffrischungen werden zunehmend vernachlässigt. Das ist kein Detail sondern eine Lücke. Der Schutz ist nämlich nahezu vollständig, wenn der Impfplan eingehalten wird. FSME ist zudem eine Krankheit ohne zweite Chance. Es gibt keine ursächliche Therapie, es können nur die Symptome behandelt werden. Die Folgen können verheerend sein. Langwierige neurologische Schäden, Lähmungen, chronische Beschwerden - bei etwa jedem dritten Erkrankten. Es gibt keine „sichere“ Altersgruppe. Kinder sind genau so betroffen, wie ältere Menschen. Umso wichtiger sind die Grundimpfungen und regelmäßigen Auffrischungen. Damit der Erfolg bestehen bleibt und nicht zu Nachlässigkeit führt. 

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