Meinung
10/22/2019

Europäer bleiben in Syrien bedeutungslos

Auch der neueste Vorstoß aus Deutschland nach einer international überwachten Sicherheitszone wird daran nichts ändern.

von Walter Friedl

Leider viel zu spät: Jetzt, da sich in dem fast schon neun Jahre währenden Krieg in Syrien die Blöcke formiert und ihre Claims klar abgesteckt haben, will Europa doch noch eine Rolle in dem Konflikt spielen. Gleich vorweg: Die Chancen dafür tendieren gegen null.

Es war ausgerechnet Deutschland in Person der bisher so glanzlosen CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, das nun sogar ein militärisches Engagement forderte: Die von der Türkei angepeilte Sicherheitszone in Nordsyrien solle von einer internationalen Truppe eingerichtet werden. Sie, die potenzielle Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel, habe darüber schon mit Paris und London telefoniert. Konkreter wurde AKK nicht.

Hilflos

Abgesehen davon, dass sie mit dem Vorstoß (auch) ihr innenpolitisches Profil schärfen wollte, bräuchte es für eine derartige Mission ein Mandat des UN-Sicherheitsrates. Womit man die Sache eigentlich schon wieder ad acta legen muss. Denn es ist so gut wie ausgeschlossen, dass sich Russland da nicht querlegt. Dessen Präsident Wladimir Putin ist der große Gewinner des Syrien-Krieges. Er wird sich sicher nicht die Butter vom Brot nehmen und er wird den Europäern, die er ja allerorts geschwächt sehen will, keinen Zentimeter Raum lassen. Stattdessen verteilt er gerade bei einem Treffen in Sotschi mit dem türkischen Bruder im Geiste, dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdoğan, die letzten Reste der Beute. Und der „Sultan“ hat auch nicht das geringste Interesse daran, dass ihm die lästigen Europäer vor der Haustüre herumtanzen.

Diese hätten viel früher aktiv werden müssen. Die jetzige Initiative ist nicht nur zu spät, sondern so, wie das bisherige Verhalten in dem Konflikt – hilflos.