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Meinung
01/21/2020

EU sei Dank: Zug fahren wie in Kaisers Zeiten

Kommission und Parlament sind daher aufgefordert, den Lkw-Transit endlich auf die Schiene zu bringen.

von Wolfgang Unterhuber

Mit nahezu monarchistischem Pomp samt Musikkapelle und zahlreichen Fotografen wurden gestern in Brüssel die österreichischen EU-Abgeordneten empfangen, die von Sonntag auf Montag mit dem ÖBB-Nachtzug von Wien aus angereist waren. Ob die Strecke ein Geschäft wird, bleibt abzuwarten. Erinnert doch die Reisedauer von rund 14 Stunden auch an Kaisers Zeiten.

Wofür die ÖBB freilich nichts kann, sehr wohl aber die EU-Abgeordneten, die auf ihrer Fahrt Zeugen ihres eigenen Tuns, oder besser gesagt Nichtstuns, wurden. So musste an der belgischen Grenze die Lok ausgetauscht werden, weil sie für Belgien nicht zugelassen war. Da bestünde wohl Verbesserungsbedarf bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, monierte nachher eine Abgeordnete.

Wie wahr. Hoffentlich ist den EU-Abgeordneten auch klar, dass das ihr Job ist und dass die Probleme im Personentransport noch gar nichts sind im Vergleich zum Güterverkehr. Dass Europas Straßen von Lkw überschwemmt werden, ist schließlich allein auf das völlige Versagen der EU-Politik zurückzuführen. So kann ein Lkw von Bulgarien nach Dänemark ungehindert durchfahren. Bei einem Güterzug müssen in der EU an jeder Grenze die Lok und das Personal ausgetauscht sowie das Zugsicherungssystem umgestellt werden.

Europa existiert im Güterverkehr nicht. EU-Kommission und -Parlament sind daher aufgefordert, im Sinne der Umwelt und Transporteffizienz den Lkw-Transit endlich auf die Schiene zu bringen. Und zwar hoffentlich mit derselben Energie, mit der man sonst Schikane-Projekte wie die Datenschutzverordnung verfolgt. Bis dahin leben wir in Kaisers Zeiten.