Meinung
26.11.2018

Ein Streik auf dem Rücken der Kunden

Der Versuch der Gewerkschaft, sich zu profilieren, könnte nach hinten losgehen. Ein Imageverlust droht.

Montagmittag. Strömender Regen, die Temperaturen im knapp einstelligen Bereich. Wer bei diesen Witterungsverhältnissen stundenlang auf einem kalten Bahnsteig auf einen überfüllten Zug warten muss, wird dies nicht ohne Verärgerung hinnehmen. Unter diesen Bedingungen schwindet eine mögliche Sympathie für die streikenden Bahnbediensteten schnell. Zumal die Gewerkschaft nicht willens oder in der Lage war, die Bahnunternehmen darüber zu informieren, wo gestreikt wird. Sicherheitshalber haben die ÖBB dann den gesamten Betrieb gestoppt.

Ein Streik ist in Österreich ein seltenes Phänomen, normalerweise sind Lohnverhandlungen von Konsens geprägt. Mag sein, dass es die Arbeitgeber dieses Mal mit dem üblichen Gefeilsche übertrieben haben. Jedoch wurde seitens der Gewerkschaft ziemlich schnell auf hart geschaltet. Nur eine Woche nach einer Mitarbeiterbefragung ging ihr Vorsitzender Roman Hebenstreit mit einer Streikdrohung in die nächste Verhandlungsrunde. Kein gutes Vorzeichen für eine friedvolle Einigung.

Für Hebenstreit zu wenig

Offenbar musste der Streik sein – da fährt die Eisenbahn drüber. Mittlerweile bieten die Arbeitgeber 3,4 Prozent, so viel wie die Metaller in der Vorwoche erkämpft haben. Für Hebenstreit noch immer zu wenig. Dabei hat er sich im Vorjahr bei ähnlich guter Konjunktur sogar mit nur 2,1 Prozent zufriedengegeben.

Das Angebot der Arbeitgeber würde alleine die ÖBB 80 Millionen Euro zusätzlich kosten. Für ein Staatsunternehmen, das ohnehin jährlich mit mehr als fünf Milliarden bezuschusst werden muss und auf Schulden von 24 Milliarden Euro sitzt, ist das eine weitere Belastung. Ein Abbau von zu teuren Mitarbeitern könnte die Folge sein. Ob das im Sinne der Gewerkschaft wäre?robert.kleedorfer