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Leitartikel
10/30/2019

Die Skurrilität des Datenschutzes

Die großen Datenhändler sind nicht die Unternehmen – sondern die Konsumenten, die in der digitalen Welt (fast) alles von sich preisgeben.

von Wolfgang Unterhuber

Die österreichische Post hat eine Strafe wegen der Weitergabe von Daten zur sogenannten Parteiaffinität ausgefasst. Aus Daten wie Adresse und Alter wurde hochgerechnet, zu welcher Partei man tendiert. Das war nicht schlau von der Post. Denn hier geht es um Datenschutz und die entsprechenden Gesetze. Und die sind nun einmal einzuhalten. Die Post fühlt sich naturgemäß ein wenig verfolgt und versucht, die Causa in eine rechtliche Grauzone zu argumentieren.

Die Strafe gegen die Post wegen mutmaßlichen Datenmissbrauchs entspricht freilich dem internationalen Trend. Die US-Kette Marriott oder auch Google fassten unlängst Strafen wegen Datenschlamperei aus.

Einem internationalen Trend folgt auch TikTok. Die App zählte binnen Kurzem weltweit über eine halbe Milliarde Nutzer. In Österreich dürften es ebenfalls Hunderttausende sein. Mit der kostenlosen TikTok-App können kurze Musikvideos mit dem Handy aufgenommen und mit anderen Nutzern geteilt werden. Zielgruppe sind Acht- bis 15-Jährige. Vor allem Mädchen schätzen TikTok. Mit ihren Tanzvideos hoffen sie im digitalen Universum auf Aufmerksamkeit. Die App stammt aus China. Es darf davon ausgegangen werden, dass die chinesischen Behörden mitsehen, was auf TikTok geboten wird, und die Videos samt Daten entsprechend speichern.

TikTok und das Post-Urteil zeigen die zunehmende Skurrilität des Datenschutzes. Denn die großen Datenhändler sind nicht die Unternehmen – sondern die Konsumenten, die in der digitalen Welt (fast) alles von sich preisgeben. Im letzten Wahlkampf etwa teilten Zigtausende Erwachsene ihre politischen Vorlieben mit ihren Followern. Aber wenigstens noch ohne Tanzeinlagen.