Meinung
11/13/2019

Die Linke muss sich ihre Arbeiter neu suchen

Die Sozialdemokratie muss jene Arbeiter ansprechen, die nicht gut abgesichert in Großbetrieben sitzen.

von Konrad Kramar

Hier sitzen sie in Regierungsverhandlungen mit den Konservativen, dort eilen sie von einem Wahlerfolg zum Nächsten. In Österreich und Deutschland etablieren sich zurzeit die Grünen als die Stimme links der Mitte.

Die Sozialdemokratie sucht verzweifelt ihre Rolle und ihre Wähler. Bei den Grünen allerdings wird sie diese nur zum geringen Teil finden. Zwar wählen liberale, sozial bewusste Bürger in Zeiten, in denen christlichsoziale Parteien gerne ihre christlichsozialen Wurzeln verkümmern lassen, auch einmal links der Mitte.

Ihre tragende Rolle aber bekommt die Sozialdemokratie nicht zurück, auch wenn sie mit den Grünen um diese Stimmen rittert.

Eine Sozialdemokratie muss sich auch heute auf die Stimmen der Arbeiter stützen – und dazu muss sie die erst einmal finden und ansprechen. Denn die Arbeiterklasse sitzt heute weniger denn je in Großbetrieben mit gewerkschaftlich gut abgesicherten Verträgen. Nein, sie steht als Scheinselbstständiger auf dem Bau, als Leiharbeiter in der Lagerhalle eines US-Giganten wie Amazon, liefert Pizza auf dem Fahrrad oder pflegt alte Menschen. Diese neue Arbeiterklasse ist schlecht gewerkschaftlich organisiert, sie definiert sich nicht als Gruppe und sie hat – obwohl ohne sie unsere Wirtschaft und Gesellschaft nicht funktionieren würden – oft als Ausländer kein Wahlrecht.

Das macht sie für politische Parteien und Gewerkschaften zum schwierigen Ansprechpartner, doch das war in den Anfangszeiten der Sozialdemokratie nicht anders. Für diese neuen Arbeiter muss sie sich stark machen. Sie werden es ihr als Wähler danken, mehr als jene sozial immer noch gut abgesicherten Arbeiter, die ihre Rechte schwinden – und Zuwanderer als ihre Feinde sehen und daher längst bei den Rechtspopulisten sind.

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