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Meinung
09/06/2021

Die Impfung braucht mehr Gewicht

Hören wir auf damit, die Haltungen der militanten Impf-Feinde zu verniedlichen beziehungsweise zu entschuldigen.

von Christian Böhmer

Nach einem harten, weil von Lockdowns und Distance Learning dominierten, Schuljahr haben gut 500.000 Schüler und Kinder am Montag bekommen, worauf alle gehofft haben, nämlich: einen sorgenfreien Schulstart.

So hätte er beginnen müssen, der Leitartikel zum Start des Schuljahres 2021/22.

Tatsächlich erzählt der 6. September 2021 eine völlig andere Geschichte.

Da durften Eltern ihre Kinder nicht ins Klassenzimmer begleiten, weil die Infektionszahlen zu hoch und das Ansteckungsrisiko zu groß sind; vor manchen Schulen standen Familien Hunderte Meter in der Schlange, weil Sicherheitsschleusen passiert werden mussten; und in eben diesen Warteschlangen erzählen Väter und Mütter von ihrer Angst vor neuerlichen Quarantänen – und warum sie das Kind coronabedingt die Klasse wiederholen lassen.

Das Schuljahr 2021/’22 beginnt also erneut in einem Ausnahmezustand. Das ist für sich genommen ein Ärgernis, und im Sinne aller Eltern, denen der Gedanke an weitere Wochen des Homeschoolings schon jetzt den kalten Angstschweiß auf die Stirn treibt, seien an dieser Stelle zwei Forderungen deponiert.

Die erste lautet: Gestehen wir uns ein, dass die politische Impf- bzw. Informationsstrategie für den Sommer kläglich gescheitert ist. Wer’s nicht glauben mag, der werfe einen Blick auf die Zahlen vom Sonntag: Im ganzen Bundesland Salzburg wurden an diesem Tag zwei, in Vorarlberg nur eine einzige (!) Covid-19-Schutzimpfung verabreicht. Und das, obwohl die Rate der vollständig Geimpften bei 58 Prozent dümpelt (zum Vergleich: Länder wie Dänemark schaffen derzeit fast 73 Prozent).

Das führt zum zweiten Punkt: Hören wir endlich auf damit, die Haltungen der militanten Impf-Feinde zu verniedlichen beziehungsweise zu entschuldigen.

Wer nach Monaten der differenzierten Aufklärung standhaft überzeugt bleibt, dass es sich bei Covid-19 um einen besseren Schnupfen handelt und dass die Schutzimpfungen des Teufels sind, der soll mit den Folgen seiner Haltung genauso leben müssen wie Touristen, die in Flipflops auf dem Großglockner verunglücken.

Heißt das, dass nur noch Geimpfte in Nachtlokale dürfen? Bedeutet das Teil-Lockdowns für Ungeimpfte oder das Ende der Gratis-Tests? Über die Details werden sich Regierung und Landeshauptleute morgen, Mittwoch, unterhalten.

Fest steht derweil: Das Sicherheitssystem Schutzimpfung muss einen höheren Stellenwert bekommen.

Die Alternative lautet, dass die Pandemie unter Ungeimpften munter weiter wütet und dass wir den Schülern auch im nächsten Herbst schuldig bleiben, was ihnen jedenfalls zusteht, nämlich: ein unbeschwerter Schulstart.

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