Meinung
02/10/2020

Die CDU braucht einen Plan, keine Besserwisser

Den Machtkampf um den Parteivorsitz hat Kramp-Karrenbauer eigentlich nie gewonnen, er lief weiter.

von Sandra Lumetsberger

Man kann der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer so einiges vorwerfen: den Karnevalsauftritt als Putzfrau, wo sie über Toiletten für Intersexuelle spottete; ihre Unfähigkeit, mit Kritik von Youtubern und Klimaaktivisten umzugehen; und überhaupt manch wendiges oder spätes Reagieren in Krisensituationen.

Abgesehen davon ließ sie nichts unversucht, an einer Partei zu arbeiten, die sich – solange die Ergebnisse passten – von Angela Merkel gerne führen ließ. Sie organisierte Werkstattgespräche, tourte durchs Land, um der Basis zuzuhören. Sie versuchte ihre Gegner einzubinden und vergraulte am Ende ihre Anhänger.

Den Machtkampf um den Parteivorsitz hat sie im Dezember 2018 eigentlich nie gewonnen, er lief weiter. Mitschuld war auch die Rollenverteilung zwischen ihr als „Noch-nicht-Kanzlerin“ und Angela Merkel als „Bald-nicht-mehr-Kanzlerin“. Dadurch entstand ein Machtvakuum. Die CDU-Chefin war eine „Königin ohne Land“, wurde belauert, bekam Stöckchen vor die Füße – ohne Rücksicht, welches Bild das auf den Rest der Partei warf.

Statt sie zu unterstützen, versuchten sich ihre Parteikollegen und Gegner selbst zu profilieren, was von der Seitenlinie immer einfach ist: Egal ob Friedrich Merz, Ex-Fraktionschef und Bewerber um den Parteivorsitz, oder Hans-Georg Maaßen, Ex-Verfassungsschutzpräsident und einfaches Mitglied, der als Zugpferd einer kleinen Truppe Wertkonservativer für maximale Lautstärke sorgt – sie alle können freier reden, bedienen dabei Sehnsüchte, haben aber weder Mandat noch Verantwortung.

Wer auch immer diese künftig in der CDU übernimmt, braucht einen Plan und keine Besserwisser-Phrasen. Die Partei hat keinen Kompass mehr und droht vor allem nach rechts auszufransen.