Meinung
19.06.2018

Der Teufel steckt im Detail

Weniger falsche Krankenstände, flexibler Arbeiten: richtige Vorhaben, aber mit Nachschärfungsbedarf.

Zwölf Stunden am Stück sollen Arbeitnehmer künftig also in Ausnahmefällen (und keineswegs generell) arbeiten. In einigen Branchen ist das jetzt schon möglich. Nicht aber in Wirtshäusern zum Beispiel, die des Öfteren an ihre Grenzen bzw. an Strafen gestoßen sind: etwa in der kurzen Sommersaison, wo die „Hütte“ voll ist, wenn die Sonne scheint, oder bei Hochzeiten, die sich in die Nacht ziehen. Die Reform ist nicht nur für Wirte ein Fortschritt, sondern für viele Branchen, die flexibel auf Arbeitsanfall reagieren müssen und wollen. Bisher wurde da oft getrickst, um Aufträge überhaupt ausführen zu können.

Allerdings scheint selbst der Präsident der Industriellenvereinigung überrascht darüber zu sein, dass Arbeitnehmer mit Gleitzeit durch die Neuregelung einen Einkommensverlust erleiden könnten. Die IV nimmt das Regierungsgeschenk nicht an und empfiehlt Nachverhandlungen. Also alles in allem kein Grund für große Wehklagen (und abstruse Nazi-Vergleiche durch „Wissenschaftler“) oder sogar Streikaufrufe durch Gewerkschafter. Wir haben fast Vollbeschäftigung plus ein fein gesponnenes Sozialnetz: Von Brigaden ausgebeuteter Arbeitnehmer, die gegen die Firmenleitung nicht aufzumucken wagen, keine Spur.

Auch bei der zweiten Reform, die dasselbe Gesetz birgt, stimmt die Richtung, doch die Umsetzung ist noch ein Stückchen weniger ausgereift. Blaumachen auf Kosten der Krankenversicherung sowie missbräuchliche Verwendung der eCard sollen eingedämmt werden. So weit so gut. Wie man das genau angehen will, steht aber noch ziemlich in den Sternen. Da sollte dem Parlament mehr Zeit für Nachbearbeitung gegeben werden.

Der Stillstand ist überwunden. Doch Reformen müssen auch sauber erarbeitet werden.