The coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Madrid

© REUTERS / SERGIO PEREZ

Leitartikel
03/27/2021

Das Gute im Schlechten

Die Flut negativer Nachrichten lässt vergessen, dass die Errungenschaften der Neuzeit nicht verloren gegangen sind. Das macht Hoffnung.

von Martina Salomon

Dieser Tage gab es für den KURIER einen überraschenden „Love-Storm“. Die Leserschaft bedankte sich für einen Leitartikel über die großen und kleinen Siege im Pandemiejahr. Klar, die Medien müssen in erster Linie informieren, der Politik auf die Finger schauen, Fehlentwicklungen aufdecken. Aber dabei unterschätzen wir Journalisten oft die Sehnsucht der Menschen nach „good news“ und übersehen Letztere viel zu oft. Ohnehin schwappt aus den Medien-Agenturen ein Meer an niederschmetternden Nachrichten zu uns, das den Eindruck vermittelt, in der schlechtesten aller Welten zu leben. Dabei war bis zum Beginn der Pandemie genau das Gegenteil der Fall: Nie zuvor lebten so viele Menschen in zumindest relativem Wohlstand und Frieden auf der Erde.

Natürlich verzweifeln gerade heimische Gastwirte, Händler, freiberufliche Künstler, Arbeitslose über den Endlos-Lockdown. Ihre Lage ist dramatisch, dennoch können Sie sich auf eines der besten Sozialsysteme der Welt verlassen – und darauf, dass es bergauf gehen wird, wenn wir diese größte Krise der Zweiten Republik hinter uns gelassen haben. Alle Errungenschaften der Neuzeit bleiben ja bestehen: In einer globalisierten Welt sorgen Wissenschaft und Wirtschaft für Fortschritte – von Impfungen bis zur Lösung von Umweltproblemen. Wir neigen dazu, zu vergessen, dass Österreich selbst Hunderte großartige Unternehmen hat, die Teil dieser gewaltigen Innovationskraft sind. Was nicht heißen soll, dass jetzt alles toll ist: Die Pandemie hat uns viel Verbesserungsbedarf vor Augen geführt. Österreich und die EU werden zu bürokratisch verwaltet, Entscheidungen fallen mühsam und langsam.

Aber wenn wir uns jetzt zu Recht über das langsame Impftempo in der EU aufregen, so ist die Ursache dafür nicht böse Absicht, sondern das (zu) hohe Sicherheitsdenken in europäischen Wohlfahrtsstaaten. Großbritannien und die USA haben die Genehmigung für Impfstoffe rasch durchgepeitscht. Israel hat mit Glück auf Biontech gesetzt und nicht nur viele Dollars bezahlt, sondern auch die Daten Millionen Geimpfter für Studienzwecke zur Verfügung gestellt. Na, man möchte sich nicht ausmalen, was in Österreich los gewesen wäre, hätte die Regierung so einem Deal zugestimmt. Noch jetzt halten Verschwörungstheoretiker die Impfungen für ein riesiges Menschen-Experiment. Die grassierende Naturwissenschaftsfeindlichkeit ist leider auch pandemisch. Übertrieben ist auch die viele Negativ-PR für Astra Zeneca. Der Impfstoff funktioniert und ist am billigsten, weil ihn die Firma zum Selbstkostenpreis global und schnell zur Verfügung stellen wollte.

Wir Europäer könnten uns ruhig etwas vom Zukunftsoptimismus aufstrebender asiatischer Länder, aber auch der USA abschauen – ohne die gravierenden Mängel dieser Systeme auszublenden. Alles wird gut, vielleicht sogar besser.

Martina Salomon
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