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Meinung
11/07/2019

Billig fliegen: Es gibt nichts geschenkt

Wenn die Zugfahrt zum Flughafen mehr kostet als das Airline-Ticket nach London, stimmen die Relationen nicht mehr.

von Andrea Hodoschek

Low-Cost-Airlines haben das Fliegen demokratisiert. Was früher Gutverdienern vorbehalten war, ist längst für alle erschwinglich geworden. Inzwischen aber pervertiert das System der Billigflieger und hat mit ökonomischer Vernunft nicht mehr viel zu tun.

Wenn sogar die Zugfahrt, nicht das Taxi, zum Flughafen mehr kostet als ein Ticket nach London, stimmen die Relationen nicht mehr. Sie passen auch nicht, wenn eine ausgebildete Flugbegleiterin auf dem Gehaltsniveau einer Reinigungskraft entlohnt wird.

Die sogenannten Premium-Airlines versuchen noch, mit niedrigen Ticketpreisen dagegenzuhalten. Die Produkte sind, außer in der Business-Klasse, ohnehin nicht mehr Premium. Doch die Geiz-ist-geil-Mentalität beim Fliegen hat einen hohen Preis. Denn irgendjemand bezahlt immer, Ryanair & Co haben nichts zu verschenken. In diesem Fall sind es die Mitarbeiter. Mit schlechteren Arbeitsbedingungen oder schlimmstenfalls, wie jetzt bei der AUA, überhaupt mit dem Verlust ihres Jobs. Alle fliegen ganz billig, und alle haben gut bezahlte, qualitative Jobs – wäre schön, funktioniert aber leider nicht.

Nächstes großes Problem ist der Treibhaus-Effekt. Kurzstrecken zu fliegen, ist natürlich ökologischer Unsinn. Aber nach der Politik zu rufen und das Fliegen zu limitieren, ist in einer liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auch keine Lösung. Wer entscheidet denn, wer wann wohin fliegen darf? Die von den Airlines angebotenen CO2-Kompensationen sind nichts anderes als eine moderne Version des mittelalterlichen Ablasshandels, um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Wie wäre es ganz einfach mit ein bisschen Nachdenken – trotz aller Freude über ein 19,90-Euro-Ticket?