© APA/HERBERT NEUBAUER

Leitartikel
07/22/2021

Alles, was im ORF-Wahlkampf zählt: Wen will die ÖVP?

Die anstehende ORF-Wahl ist ein Ärgernis: Man hat die Wahl zwischen drei Kandidaten, deren Konzepte eigentlich egal sind

von Philipp Wilhelmer

Drei aussichtsreiche Personen wollen es: Einer gilt als paktiert, eine probiert es mit einem unkonventionellen Zugang, einer will unbedingt bleiben … Roland Weißmann, Lisa Totzauer und Alexander Wrabetz sind allesamt respektable Kandidatinnen und Kandidaten für die ORF-Generaldirektion, die am 10. August von den Stiftungsräten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewählt wird.

So klar wie in diesem Jahr waren die Mehrheitsverhältnisse fast noch nie. Die türkise Kanzlerpartei kann de facto im Alleingang bestimmen, wer den ORF in eine äußerst unsichere Zukunft führt. Ein demokratisches Recht (die ÖVP unter Sebastian Kurz hat die letzten Nationalratswahlen haushoch gewonnen), das auch eine Pflicht ist: Stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wird eine der wertvollsten Einrichtungen durch die Einsetzung des Topmanagements gestaltet. Dass die Stiftungsräte mehr als formal unabhängig sind, ist dabei eine reine Augenauswischerei: Über den Ausgang der Wahl bestimmen Kanzleramt und schwarze Bundesländer. Dieser Block wird sich nicht teilen lassen.

Ob es ein ÖVP-Monolith bleibt, wird das Unternehmen prägen: Die ideale ORF-Führung hält sich von der Politik so weit fern wie möglich, ist so nahe dran wie nötig und trifft zukunftsweisende Entscheidungen. Evidenzbasiert. Mutig. Engagiert. Sonst ist sie Diener eines einzigen Herren, der seine Machtinteressen ungehindert durchsetzen kann. Der ORF, den wir wollen, ist unabhängig, hat tolles Programm und funktioniert auch am Handy. Aktuell fragt man sich bisweilen, in welchem Jahrzehnt man gelandet ist.

Die drei aussichtsreichen Kandidaten, die zur Wahl stehen, eint eines: Sie alle kommen aus dem Haus und weisen große Expertise auf. Sie wissen, wie schwer man sich die Politik vom Hals halten kann. Und wie es aussieht, wenn Entscheidungen so getroffen werden, dass nicht das Unternehmenswohl im Vordergrund steht: Ein ORF in Selbstfesselung, dessen Spitze sich nur bewegt, wenn es politisch opportun ist.

Weißmann gilt als ÖVP-intern paktiert. Weltanschaulich nahe steht ihm Totzauer, deren Antreten gegen den offenkundigen Willen der Türkisen ein Signal der Unabhängigkeit versprüht. Dass dieses bei den Räten, die am 10. August über die Nummer eins am Küniglberg entscheiden, ausschlaggebend ist, darf bezweifelt werden. Ein Ärgernis sondergleichen: Man muss nicht über bessere Konzepte sprechen, sondern über den Segen der ÖVP. Wer auch immer gewählt wird: Die künftige Führung muss ihr Verhältnis zur Politik sorgfältig ordnen. Und wo sind eigentlich die internationalen Kapazunder? Tut man sich Wien nicht mehr an? Der ORF wäre doch ein Tanker mit einem Milliardenbudget.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.