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Meinung
11/23/2019

Debattenkultur: Alles eine Frage des richtigen Maßes

Die Steiermark stimmt heute über die Bundesregierung, die Zukunft Wiens, Tempo 140 etc. ab. Oder doch nicht?

von Gert Korentschnig

Die Steiermark wählt. Sehr schön. Allerdings international von einer Relevanz, die im Weißen Haus  noch nicht zwingend den Twitterdaumen in Erregung versetzt. Dennoch kann man sich ausmalen, in welchen Zustand die Republik heute ab 16 Uhr verfällt.


Die einen werden Jubelgesänge intonieren, die Richtigkeit des zuletzt beschrittenen großkoalitionären steirischen Weges betonen und dennoch daraus die breite Zustimmung zu türkis-grünen Regierungsverhandlungen auf Bundesebene ableiten. Andere werden in Katerstimmung verfallen, den steirischen Vorsitzenden infrage stellen und spätestens eine halbe Stunde später auch die Chefin in Wien. Wer, bitte, soll sonst schuld sein?

So ein Zufall, dass tags darauf ein mehrfach im Gespräch gewesener Vielleicht-Parteivorsitzender ein programmatisches Buch  präsentiert.  Wochenlang (bis zur Burgenland-Wahl) wird über Zielgruppen, die sich verschoben hätten, diskutiert werden. Und monatelang (bis zur Wien-Wahl) über den Begriff Flächenbezirk, der sich  primär durch die Häufung blauer Stimmen definiert.

Langer Vorrede kurzer Sinn: Es ist in jeder Hinsicht das richtige Maß verloren gegangen. Eine Regionalwahl ist mindestens eine Europawahl (obwohl die keinen interessiert), wenn nicht eine Abstimmung über den Planeten. Jeder liest aus Ergebnissen nur  heraus, was ihm oder ihr subjektiv nützt. Und in den seltensten Fällen geht es noch um das, worüber abgestimmt wird, sondern um ganz anderes, um WhatsApp-Verläufe, Flüchtlingsrouten, Tempo 140  oder den Ärger über egoistische Radfahrer. Siehe dazu auch die Wahl in Großbritannien, bei der es – lautes HAHA – ums britische Unterhaus geht.

Wen interessieren schon Argumente

Eine Wahl ist nicht mehr nur der zentrale demokratische Akt, sondern der Moment, in dem sich kollektive Wut, aufgeheizt im Social-Media-Vorspiel, entlädt. In dem das (auch von Medien transportierte) Klischee zur Stimme wird. Und leider kaum noch aufgrund von Argumenten entschieden wird (oft auch, weil es  keine echten gibt).

Das führt uns, verzeihen Sie den nur scheinbar gewagten Sprung, direkt zum KURIER-Schwerpunkt an diesem Sonntag: zum Umgang mit Plastik. Kaum ein anderes Material polarisiert zur Zeit so stark wie dieser Kunststoff. Wir werden es noch erleben, dass wir beschimpft werden, wenn wir dereinst mit einem historischen Plastiksackerl durch die Stadt gehen. Dabei ist eine einzige Städtereise für die persönliche Ökobilanz so schlimm wie unser Plastikmüll von zehn Jahren.

Plastik ist heute pfuigacksi, obwohl es Leben rettet, Lebensmittel länger haltbar macht und vieles mehr. Aber Differenzierung ist nicht gefragt. In so gut wie allen Bereichen. Nicht nur ein steirischer Brauch.

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