© KURIER

Meinung
06/26/2019

Abrüstung der Worte wäre hilfreich

Wie gefährdet sind heimische Politiker? Weniger als anderswo, aber die Aggressionen steigen.

Anschlagspläne gegen Heinz-Christian Strache? Als der KURIER davon erfuhr, hegten wir zunächst Zweifel. Ist es ein Ablenkungsmanöver Straches, der sich seit Veröffentlichung des Ibiza-Videos zum Opfer stilisiert? Sollten wir es ignorieren oder ernst nehmen? Unsere Recherchen zeigten, dass es sich nicht um „Fake News“ handelt. Und das stimmt wirklich nachdenklich – auch wenn es sich um einen Politiker handelt, der mit seiner Wortwahl selbst nicht immer zimperlich war. Möglicherweise steigt mit der verbalen Aufmunitionierung ja auch die Gefahr tätlicher Angriffe – legitim werden sie dadurch selbstverständlich nicht.

Speziell in Wahlzeiten wird die Politik besonders unverdaulich. Die sozialen Medien servieren gern den bitteren Cocktail, der in den Giftküchen parteinaher Organisationen gemischt wird (und böse Häme oft als lustige Satire tarnt). Der Konsument wird mit dem „olles Gfraster“-Virus infiziert – und wendet sich lieber jenen zu, die im Mäntelchen des unkonventionellen Nicht-Politikers auftreten.

Dennoch muss man festhalten: Nur selten in der Geschichte sind politische Auseinandersetzungen ausschließlich höflich abgelaufen, oft genug waren sie von Gewalt begleitet. Und leider muss man auch in unserem (noch!) recht zivilisierten Zeitalter mit irren Einzeltätern rechnen. Der im Rollstuhl sitzende deutsche Spitzenpolitiker Wolfgang Schäuble wurde Opfer eines psychisch Kranken. Vor Kurzem wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Mann mit rechtsextremen Verbindungen erschossen. Man kann nur hoffen, dass das schreckliche Einzelfälle bleiben. Dafür wäre eine Abrüstung der Worte (nicht nur) in der Politik aber auch recht hilfreich.