Leben
09.08.2018

Wo Menschen Urlaub machen, die andere in den Urlaub schicken

Der Ramp Agent auf dem Flughafen, die ÖBB-Reisebüro-Mitarbeiterin, der Bäderbus-Fahrer: Alle drei arbeiten in der Ferienzeit – damit sich andere erholen können.

Freitagabend, vor 19.30 Uhr auf dem Busterminal in Wien-Erdberg: Während sein Fahrerkollege beim Einräumen des Gepäcks behilflich ist, begrüßt Deva Kala die Fahrgäste fast wie Freunde. Sein "Bäderbus" wird sie zum Meer bringen. Seit nunmehr dreißig Jahren chauffiert Kala große Fahrzeuge, 15 Jahre lang Lkws, ebenso lange Busse. Das Drehen des Lenkrads hat einer wie er im kleinen Finger. Ebenso gut kann er mit Menschen umgehen.

"Ihr Urlaub beginnt beim Einsteigen", weiß der 48-jährige Wiener. Deshalb ist das Bier und das Mineralwasser im Kühlschrank bereits optimal temperiert, die Kaffeemaschine geputzt und sein weißes Diensthemd ordentlich angelegt.

Kurs auf Opatija

Seit bald vierzig Jahren rollt der "Bäderbus" am Freitagabend als eine Art in Blech gegossene Institution von Wien in Richtung Süden – zur Kvarner Bucht. Unterwegs sammelt er weitere Urlauber ein: auf der Autobahnraststation Guntramsdorf, auf dem Hauptbahnhof in Wiener Neustadt, auf der Autobahnraststation bei Ilz und zuletzt, pünktlich gegen 23 Uhr, auf dem Hauptbahnhof in Graz.

Auf einer Raststelle südlich von Spielfeld tauscht Kala mit einem zweiten Fahrer die Plätze, damit er nicht gegen das Ruhezeiten-Gesetz verstößt. Die Urlauber können derweil noch einmal austreten oder etwas essen.

Sodann nimmt der Bus der Firma Blaguss frühmorgendlichen Kurs auf Ljubljana, vom dortigen Autobahnring geht es weiter zum slowenisch-kroatischen Grenzübergang Rupa, wo der freundliche Fahrer seine Gäste aufwecken muss. Schengen lässt grüßen. Eine Schikane? Der Busfahrer entschuldigt sich, obwohl er nichts dafür kann. Einige slowenische Zöllner lassen die Kroatien-Urlauber noch immer vor dem Bus antreten.

Opatija, 4 Uhr morgens. Im alten mondänen Badeort in der Kvarner Bucht brennen noch die Straßenlaternen. Hier steigen die Insel-Krk-Urlauber in den bereits nebenan wartenden Bus um. Mit nur mehr halber Besatzung fährt Deva Kala weiter und steuert die Badeorte Lovran, Mošćenička Draga, Cres, Veli und Mali Lošinj an.

Jeder Fahrgast, der aussteigt, wird von ihm mindestens mit einem freundlichen "Schönen Urlaub" verabschiedet. Feierabend für die beiden Chauffeure ist um acht Uhr in der Früh. "Wir gehen dann frühstücken und anschließend für zwei Stunden auf den Strand."

Inzwischen ist es Samstagvormittag. Spätestens um 11 Uhr beziehen die beiden ihre Hotelzimmer, um bis zum späten Nachmittag zu schlafen. Zurück nach Wien fahren sie kurz nach 18 Uhr, Ankunft in Wien-Erdberg ist dann am Sonntag um 7 Uhr in der Früh.

Sonntag, Montag hat der Busfahrer frei, von Dienstag bis Donnerstag fährt er kleinere Touren in und rund um Wien. Bis am Freitagabend der nächste "Bäderbus" startet. Kala sagt nach 15 Sommer-Saisonen (die Saison beginnt Ende Mai und endet Ende September), dass er gerne mit dem Bus in die Badeorte fährt. Und es soll Stammkunden geben, die seine Leidenschaft derart schätzen, dass sie nur mit ihm fahren.

Und wenn er selbst urlaubt? Dann fährt Deva Kala mit Freundin und Kind auch – genau – nach Mali Lošinj. "Weil es bequem ist, einmal hinten im Bus drinnen zu sitzen und den Kollegen bei der Arbeit zuzuschauen. Da lasse ich mich chauffieren. Und weil Mitarbeiter der Firma gratis mitfahren können." Außerdem ist die Insel Lošinj für den Sohn albanischstämmiger Eltern aus Mazedonien zu einer zweiten Heimat geworden. Er spricht die Sprache der Insel, er mag die Mentalität der Insulaner, und natürlich auch das Meer.

Irgendwann nach Australien

Urlaub macht Bernd Nyikos im eigenen Garten, im Burgenland. Sein Garten ist ein Paradies, es gibt aber noch einen anderen Grund: "Meine Frau hat Flugangst, deswegen besteige ich den Flieger nur während meiner Arbeitszeit."

Nyikos, 34 Jahre alt und seit 2004 beim Flughafen Wien beschäftigt, hat einen besonders verantwortungsvollen Job: als Ramp Agent koordiniert er das Bodenpersonal in jenem kurzen Zeitfenster zwischen dem Parken und Abflug eines Flugzeugs.

Nachdem der letzte Passagier das Fluggerät verlassen hat, legen seine Leute los: reinigen die Kabine, räumen Gepäck aus, räumen Gepäck ein, bringen das Essen, tanken das Flugbenzin.

Bernd Nyikos behält auch in der Sommerhitze auf dem Vorfeld des Airports den Überblick. Die Passagiere nehmen von ihm nicht Notiz, obwohl er sie vor ernsten Problemen bewahrt.

Hat der Ramp Agent nicht doch Sehnsucht nach der Ferne? Er hat! "Irgendwann möchte ich unbedingt nach Australien. Wie und wo und wann, das weiß ich zwar noch nicht genau, aber das ist für mich fix."

Kambodscha, wir kommen 2019!

Städtereisen nach Prag und Venedig sowie Badeurlaubsreisen mit der Bahn oder mit dem Flugzeug – das sind jene Produkte, die sie seit Beginn des Jahres am öftesten verkauft hat. Erzählt Romi Banerjee, die seit zwei Jahren als Springerin in den drei Wiener ÖBB-Reisebüros arbeitet. Oft auf dem Bahnhof Wien-Mitte, aber auch auf dem West- und auf dem Hauptbahnhof.

Anders als bei ihren Kollegen an den Fahrkartenschaltern ist ihre Arbeit im Juli und August etwas ruhiger. "Die besten Sommer-Schnäppchen mit Frühbucherbonus habe ich schon zu Beginn des Jahres verkauft“, sagt Banerjee. "Jetzt kommen eher wenige Leute. Die möchten noch in letzter Sekunde einen günstigen Urlaub buchen.“ Ein grundsätzlich guter Plan, der allerdings nicht immer aufgeht.

Immerhin hat die einzige Frau in den drei Wiener ÖBB-Reisebüros selten mit grantigen Wienern und Wienerinnen zu tun. Ihre ständige Verbündete ist auch die Vorfreude: "Spätestens, wenn die Kunden ihre Reiseunterlagen abholen, sieht man ihnen an, dass sie sich schon auf ihren Urlaub freuen."

Das Gefühl des Neids kennt Romi Banerjee nicht. "Ich träume lieber mit den Kunden mit. Und von dem einen oder anderen Erfahrungsbericht lasse ich mich gerne auch inspirieren."

Apropos. Sie selbst urlaubt in diesem Sommer in Österreich. „Weil man auch bei uns schön Urlaub machen kann." Und im nächsten Jahr möchte ich mit meinem Mann nach Kambodscha fliegen.“ Kulturreise, All-inclusive mag sie selbst weniger.