Wie sexistische Videospiele auf Burschen wirken
Nicht nur in Porno-Videos werden Frauen zu Objekten degradiert – auch in vielen populären Videospielen ist das so. Viele enthalten aggressive Botschaften und Inhalte – in manchen ist es etwa möglich, Frauen für Sex zu bezahlen und sie danach zu töten.
Das hat enorme Auswirkungen darauf, wie Frauen wahrgenommen werden – und auf das männliche Einfühlungsvermögen. Eine neue Studie zeigt nun, dass Burschen, die häufig Videospiele spielen, in denen Frauen erniedrigt werden oder einen untergeordneten Charakter darstellen bzw. als Sexualobjekt fungieren, ein stark vermindertes Mitgefühl für weibliche Gewaltopfer entwickeln. Die Studie, veröffentlicht in PLOS One, untersuchte 154 männliche und weibliche High-School-Schüler, die drei Arten von Videospielen spielten: Gewaltspiele ohne sexistische Inhalte (wie etwa Half Life 1 oder Half Life 2), Spiele, die sowohl Gewalt als auch sexistische Elemente enthielen (wie etwa Grand Theft Auto V) und Spiele ohne Gewalt und ohne Sexismus (wie etwa Dream Pinball 3D).
Keine Empathie mit misshandelten Frauen
Nachdem die Spiele gespielt wurden, wurden die Jugendlichen befragt, wie sehr sie sich mit den Charaktern, die sie „kontrollieren“, identifizieren können. Ihnen wurde außerdem ein Foto eines jungen Mädchen gezeigt, das von einem Burschen geschlagen und brutal behandelt wurde. Ein weiteres Foto, das sie sahen, zeigte eine weinende Frau mit einem blauen Auge, im Hintergrund ein Mann. Anschließend wurden sie befragt, wie sehr sie mit dem Opfer mitfühlen können. Dabei zeigte sich, dass jene Burschen, die sich besonders stark mit den männlichen Charaktern der sexistisch-gewaltgefärbten Spiele identifizieren konnten, jene waren, die am wenigsten Empathie zeigen konnten. Typische Aussage: "Wenn ich spiele, fühlt sich das an, als wäre ich dieser Charakter". Diese Spieler sind auch damit einverstanden mit Glaubenssätzen wie "Es ist okay für einen Typen, dass er alle Mittel einsetzt,um ein Mädchen zum Sex zu überreden." Burschen sollten ihrer Meinung nach, ermutigt werden, körperliche Kraft zu demonstrieren.
Besonders fatal seien jene Videospiele, die die Elemente Sexismus und Gewalt in sich vereinen. Die Krux: Während es beim Schauen von ähnlichen Filminhalten eine gewisse Distanz gibt, kommt es bei den Videospielen zu einer hohen Identifikation mit den Charaktern, weil man sie ja quasi selbst spielt und deren Handlungen auch "kontrolliert".
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