Globalisierung
06/11/2015

Warum Schnecken verschiedene Kontinente erobern

Globalisierung führt zur Reduktion der Artenvielfalt. Darüber berichtet ein internationales Forscherteam unter österreichischer Beteiligung im renommierten Fachmagazin "Science"

Die Eindringlinge kennen keine Grenzen. Manche kommen als blinde Passagiere ins Land. Andere siedeln Menschen absichtlich an. Dadurch setzen sie die vor Millionen von Jahren entstandenen Verbreitungsmuster außer Kraft, wie Forscher aus Deutschland, Portugal und Österreich im Fachmagazin „Science“ berichten. Sie haben herausgefunden, dass fast ausschließlich das Klima über die Ansiedlung neuer Arten bestimmt.
Ozeane und hohe Gebirge können Tiere und Pflanzen kaum überwinden. Deshalb entwickelten sich auf weit voneinander entfernten Inseln und Kontinenten Arten, die nur dort vorkommen. Beispiele dafür sind der Kiwi in Neuseeland oder die Beuteltiere in Australien.
„Der Mensch hat diese Grenzen eingerissen“, sagte der Umweltwissenschaftler Hanno Seebens von der Universität Oldenburg (Niedersachsen). Gemeinsam mit vier Kollegen hat er in einer Studie den Angaben zufolge erstmals nachgewiesen, dass Handel und Tourismus die weltweite Verbreitung von Arten grundlegend verändert haben.

Verschleppt

"Wir untersuchten am Beispiel von Schnecken wie sich die Ähnlichkeit in der Artenzusammensetzung zwischen 56 Ländern und Inseln durch menschliche Verschleppung von Arten geändert hat", sagt Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien. In ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler verglichen, welche Schneckenarten vor der Entdeckung Amerikas in den jeweiligen Gegenden vorkamen und welche dort heute existieren.

„Man weiß nicht genau, wie der Status quo vor 1500 war“, sagt Seebens. „Wir sind in der Studie davon ausgegangen, dass Experten vor Ort wissen, welche Arten heimisch sind.“ Zusätzlich haben die Forscher Datenbanken und Publikationen ausgewertet."Die Ergebnisse haben uns völlig überrascht: Während die ursprüngliche Verbreitung der Schneckenarten die bekannten Ausbreitungsgrenzen widerspiegelt, gilt dies für die Verbreitung vom Menschen verschleppter Schnecken überhaupt nicht mehr. Deren Verbreitung wird fast ausschließlich vom Klima bestimmt. Daher weisen sogar so weit voneinander entfernte, klimatisch aber ähnliche Regionen wie Österreich und Neuseeland eine sehr ähnliche Artengemeinschaft von verschleppten Schnecken auf. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere Erkenntnisse auch für andere Tier- und Pflanzengruppen zutreffen".

Änderung

Die Ergebnisse des Forscherteams zeigen, dass sich Artengemeinschaften in ihrer Zusammensetzung weltweit rapide ändern und immer ähnlicher werden. Diese "biologische Homogenisierung" kann weitreichende Konsequenzen haben, warnen die Forscher. Während manche Arten durch den Menschen weltweit verschleppt werden, geraten viele andere Arten aufgrund der Ansiedlung von Neobiota immer stärker unter Druck. Die Studie zeigt daher, dass weitaus mehr als bisher für den Schutz von Arten getan werden muss und dass die Verschleppung von Neobiota künftig gebremst werden muss.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.